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GOETHE'S FARBENLEHRE
gewesen, aber ihm völlig gegen seine Natur gegangen, 1 richtetsich, wie dies das Wesen der Sache erfordert, fast durchweggegen Newton und seine Schule. Auf die Angehörigen dieserSchule, die blinden Nachbeter Newtons, ist Goethe ganzbesonders schlecht zu sprechen: sie stehen, so sagt er, imStande der wissenschaftlichen Geistesknechtschaft, 2 sind denwiderkäuenden Tieren zu vergleichen, 3 und streben nicht danach,die Wahrheit zu erforschen, sondern mit ihrer einmal ausge-sprochenen Meinung Recht zu behalten. 4 Solche Leute zuüberzeugen oder auch nur in ihrer Ansicht zu erschüttern, hältGoethe für schwierig, wenn nicht für unmöglich; allein erhofft immerhin, daß seine Farbenlehre, stets aufs neue undüberzeugend vorgetragen, doch allmählich »wie eine Purganzwirken werde, mit der, wenn sie das Innere erst einmal regemacht, mitunter auch ein Bandwurm nach dem anderen abgeht." 5
Der dritte, historische Teil der Farbenlehre enthält einefast unerschöpfliche Fülle von Gelehrsamkeit, und ist überreichan tiefen und dauernd wertvollen allgemeinen "Betrachtungenüber die Entwickelung der Wissenschaften, die Wandlung ihrerTheorien, die Einflüsse der Autoritäten und des Autoritäts-glaubens, sowie an geradezu klassischen Darstellungen derpersönlichen Schicksale und Meinungen zahlreicher Forscher;er geht hierdurch weit über die Bedeutung einer bloßen Samm-lung von Materialien zur Geschichte der speziellen Disziplinder Farbenlehre hinaus, und zum Beweise hierfür sei nach-stehend allein die glänzende und bei aller Kürze erschöpfendeCharakteristik des Plato und Aristoteles wiedergegeben:
»Plato verhält sich zu der Welt wie ein seliger Geist,dem es beliebt, einige Zeit auf ihr zu herbergen. Es ist ihm
1 „Gespräche", Bd. VIII, S. 85. 2 „Goethe's naturwissenschaft-
liche Korrespondenz", ed. Bratranek (Leipzig 1874), Bd. II, S. 197.
3 „Gespräche", Bd. II, S. 126. 4 Ebenda, Bd. VI, S. 55. 5 Ebenda,Bd. II, S. 252.