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[1] (1906)
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GOETHE'S FARBENLEHRE

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binden, und entdeckte hierbei, daß sich tatsächlich die Farben-bildung aufheben lasse, während die Brechung bestehenbleibt. 1 Es ist nicht gewiß, aber sehr wahrscheinlich, daßaus diesen Versuchen Chester-Morehall in England die An-regung zog, achromatische Fernrohre durch Kombination vonLinsen aus verschiedenem Materiale zu konstruieren, und jeden-falls waren solche 1754 bereits vorhanden, wurden aber geheimgehalten. Etwas später, 1759, trat als Gegner von Euler's,1754 auch von Klingenstjerne bestätigten Behauptungen derEngländer Dollond auf, wiederholte, um Newtons Angabenzu erweisen, die Versuche Eulers, fand aber hierbei zu seinemaußerordentlichen Erstaunen, daß letzterer im Rechte undNewton im Unrechte sei; er entdeckte im Laufe seiner Arbeitendas verschiedene optische Verhalten verschieden zusammen-gesetzter Gläser, namentlich des sogenannten Flintglases undCrownglases und machte öffentlich die Kunst bekannt, durchrichtige Verbindung solcher Gläser die Farbenbildung zu be-seitigen und wahre achromatische Fernrohre herzustellen. 3

Nun hatte Newton die Verbesserung der dioptrischen Fern-rohre und die Achromasie für eine Unmöglichkeit erklärt; trotz-dem war diese jetzt zur Wirklichkeit geworden, man hätte alsobilligerweise eingestehen müssen, daß die Theorie, die zu jenerFolgerung Anlaß gegeben hatte, falsch sei oder mindestenswesentliche Lücken enthalte. Statt dessen nahm aber die, umdie Autorität ihres Meisters besorgte Schule der Newtonianerihre Zuflucht wie sich Goethe ausdrückt zu »elendemFlickwerk". Sie griff zurück auf einen, von Newton an ge-wissen Stellen seiner Optik (und nur nebenbei) eingeführtenBegriff derDivergenz", und fügte der qualitas occulta derBrechung" noch eine solche derFarbenzerstreuung" oderDispersion" neu hinzu. 3 Goethe erklärte diesen Ausdruckfür ein leeres Wort, das in keiner Weise geeignet sei, die

1Farbenlehre", Bd. IV, S. 203. 2 Ebenda, Bd. IV, S. 204.

3 Ebenda, Bd. II, S. 135, 217 und 125.