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[1] (1906)
Entstehung
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GOETHE'S FARBENLEHRE

3. Newton erklärte, da Farbenerscheinung und Brechungnach ihm unzertrennlich sind, die Herstellung von achroma-tischen Linsen-Fernrohren, die Bilder ohne farbige Ränderzeigen, für unmöglich, und gab, von dieser Erkenntnis durch-drungen, alle Versuche zur Verbesserung der sogenanntendioptrischen Fernrohre vollständig auf, um sich fortan derKonstruktion seiner so berühmt gewordenen Spiegelteleskopezu widmen. 1 Immerhin schien es ihm aber, gelegentlicheiner Betrachtung der durch die farbigen Ränder der Bilderverursachten Fehler, in hohem Grade bemerkenswert, daßman die Objekte im ganzen doch überraschend deutlich, undjedenfalls viel deutlicher sehe, als dies seine Theorie erwartenließe; 2 auch warf er ausdrücklich die Frage auf, worin dennwohl die Möglichkeit dieses deutlichen Sehens begründet sei,ohne sie aber weiter zu erörtern. Sie wurde daher nicht seltenin späterer Zeit wieder aufgenommen, um so mehr, als es schwererklärlich schien, daß man durch jede gewöhnliche Brille, durchdie Camera obscura, ja selbst durch das menschliche Auge, dieganze Welt in klaren deutlichen Bildern ohne alle farbigenRänder sehe, obgleich doch die Entstehung aller dieser Bilderstets und ausnahmslos mit Brechungen des Lichtes Hand inHand gehe. 3 Der Anatomie und Physiologie jener Zeit wares auch längst bekannt, daß das menschliche und das höheretierische Auge aus verschiedenen Medien bestehe, und dieFolgerung, daß beim Vorgange des Sehens gewisse Kompen-sationswirkungen im Spiele sein möchten, lag daher nahegenug; zunächst aber zog sie niemand, und sie entging selbstForschern, die, wie Rizzetti (1727), dasfarblose Sehen" desAuges in ausführlicher Weise besprachen und eingehend dis-kutierten. 4 Erst der große Mathematiker Euler versuchte1747, gläserne Halbkugeln, die, analog den Medien des Auges,mit verschiedenen Lösungen gefüllt waren, miteinander zu ver-

1Farbenlehre", Bd. II, S. 161. 2 Ebenda, Bd. I, S. 165. 8 Ebenda,Bd. II, S. 43 und 164. 4 Ebenda, Bd. IV, S. 202 und 85.