GOETHE'S FARBENLEHRE
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freundeten Fürstlichkeiten in den Laufgräben der belagertenFestung Verdun zu erklären: auch während der ersten Tage nachder Schlacht bei Jena und der entsetzlichen Plünderung Weimarsdurch die Franzosen 1806, beschäftigte er sich zu seiner Be-ruhigung mit optischen Experimenten und nahm die Bestre-bungen wieder auf, eine gemeinsame Behandlung des Gesamt-gebietes der Farbenlehre seitens aller hierbei Beteiligten, alsoder Maler, Physiker u.s.w., herbeizuführen. 1 Alle diese Mühenblieben jedoch fruchtlos und vermochten die erwartete allge-meine Teilnahme nicht zu erwecken.
Durch dieses Verhalten des gelehrten wie des großenPublikums geriet Goethe allmählich in heftige und steigendeErbitterung, etwa jener vergleichbar, die Schopenhauer fühlenmochte, wenn er seine eigene, von ihm als höchste Wahrheiterkannte Lehre, jahrzehntelang durch die Philosophie Hegelsund seiner Schule verdunkelt und in Schatten gestellt sehenmußte. Er bekämpfte nun die Lehre Newtons im Namender Wahrheit und betrachtete es, wie er wiederholt aussprach,als eine ihm gewordene Mission, diesen Kampf, allen gleich-giltigen und böswilligen Gegnern zum Trotze, unbeirrt weiterzu führen. Zu diesem Zwecke unterwarf er das optischeHauptwerk Newtons einer höchst eingehenden, oft durchausberechtigten, zuweilen aber auch auf Mißverständnissen be-ruhenden, äußerst scharfen Kritik. Er suchte ferner zu er-gründen, wie und was die führenden großen Geister seit derZeit des Altertumes über die Entstehung der Farben und überdie Farbenlehre gedacht und gelehrt hätten. Endlich unter-nahm er eine planmäßige experimentelle Erforschung der ge-samten Farbenerscheinungen, von ihren einfachsten bis zuihren verwickeltsten Problemen. Als Frucht aller dieser Be-mühungen erschien im Jahre 1810 sein Hauptwerk, die»Farbenlehre", zwei dicke Bände und ein Heft mit Tafeln um-
1 „Werke", Weimarer Ausgabe, Bd. XXXIII, S. 29 und 31. „Tage-bücher", Bd. III, S. 176 ff.
v. Lippmann, Beiträge. 15