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[1] (1906)
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GOETHE'S FARBENLEHRE

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hingelenkt worden. So z. B. hörte er die Maler von den Ge-setzen des Kolorits sprechen, von den warmen Farben, zudenen die gelbe und rote samt ihren Abstufungen, und vonden kalten, zu denen die blaue und violette nebst deren An-verwandten gezählt wurden. Er vernahm ferner Berichte überdie Regeln der Luftperspektive, die es gebieten, den charakter-istischen blauen Ton der Luft, als des Beleuchteten, und diegelben, roten und purpurnen Färbungen der Sonne, als desLeuchtenden, in ganz bestimmter und wohlberechneter Weisezu berücksichtigen. Endlich hatte er auch im Süden Gelegen-heit gefunden, gewisse Beobachtungen über die farbigen Schattenzu erneuern, z. B. über die bekannten blauen Schatten, die desAbends hervortreten, wenn das Licht der tiefstehenden Sonneoder des aufgehenden Mondes den von einer gelben Kerzen-flamme geworfenen Schatten eines Gegenstandes aufhellt, fernerüber die meergrünen Schatten, die glänzend bei jener purpurnenBeleuchtung hervortreten, die' der italienische Himmel beiherannahendem Südsturme,Scirocco" genannt, aufweist, undendlich über die, schon im Altertume 1 bekannten purpurnenSchatten der grünen Meereswellen.

Das Auftreten wesentlich analoger, polarer Gegensätzeauf drei so verschiedenen Gebieten, schien ihm auf eine großeund allumfassende Gesetzmäßigkeit zu deuten, auf das Vor-handensein einer bestimmten und organischen Ordnung imGesamtgebiete des Farbenreiches, ähnlich jener, die er gelegent-lich seiner bahnbrechenden Studien über vergleichende Ana-tomie, über die Metamorphose der Pflanzen, und über die Ent-wicklungsgeschichte der Tiere entdeckt hatte.

Um sich hierüber des näheren aufzuklären, wandte sichGoethe zunächst an seine Freunde, die Maler; aber diesevermochten ihm über die Gründe der sogenannten Gesetzedes Kolorits und der Luftperspektive keine ausreichende Aus-kunft zu geben, sie kannten nur altbewährte und zuverlässige,

1Farbenlehre", Bd. III, S. 29.