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GOETHE'S FARBENLEHRE 1
uch aus der Zahl glücklicher Besitzer, die GoethesWerke nicht nur in einer mehr oder minder voll-kommenen Auswahl, sondern in ihrer Gesamtheitzu eigen haben, machen sich wohl nur vereinzelteWißbegierige mit dem Inhalte jener letzten Bände vertraut, diedie „naturwissenschaftlichen Schriften" zu enthalten pflegen,und von diesen Wenigen wieder greift nur selten einer oderder andere nach den Studien zur „Farbenlehre". Die Einentrösten sich damit, daß es überhaupt nicht so leicht möglichsei, die sämtlichen Werke eines Autors zu lesen, und hoffenallenfalls, hierzu noch später einmal Muße zu finden. Anderebetrachten die Farbenlehre, auf die Autorität des großen Natur-forschers Du Bois Reymond hin, als eine Schrulle, an dieGoethe, wie überhaupt an seine naturwissenschaftlichen Schriften,bedauerlicherweise viele Zeit verschwendete, die er besser poet-ischer Tätigkeit gewidmet hätte. 2 Noch Anderen endlich istes erinnerlich, daß das genannte Werk schon zu seines Ver-fassers Lebzeiten von weiten Kreisen als „verfehlter Versuch",als eine „mit Nachsicht und Vergessenheit zu bedeckendeSchwäche" angesehen wurde. 3 So also ist die Farbenlehre
1 Vortrag, gehalten im „Naturwissenschaftlichen Vereine" in Halle a. S.,1900 („Zeitschrift für Naturwissenschaften" 1901, Bd. 74, S. 19).
* Äußerung von 1882. 3 Dies erwähnt z. B. Schopenhauer
(„Sämtliche Werke", Leipzig 1877. Bd. VI, S. 212.)