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[1] (1906)
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DIE KÜSTE VON BÖHMEN

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für die Reise herbeibringen, es wurde unter Gesang und Ge-spräch bald Mitternacht, und da glaubten sie, schon längst dasSchiff betreten zu haben und auf dem Meere zu fahren. Alssie vom Weine sinnlos wurden und zu taumeln begannen,meinten sie, ein Sturm sei ausgebrochen, beteten um Rettung,und als einer von ihnen einen Bürger unter einer Bank liegensah, so behaupteten sie, das Meer stürme um des Toten willen,und warfen ihn über Bord. Durch den Lärm angelockt, kamendie Nachbarn, verwiesen sie zur Ruhe und eilten dem angeb-lichen Toten zu Hilfe, der sehr beschädigt mitten auf der Straßelag, weshalb die vermeintlichen Kreuzfahrer, nachdem sie ihrenRausch ausgeschlafen, ihm 200 Pfund zur Sühne zahlen mußten.

Bei der Erzählung des Sturmes heißt es nun (Vers 357):Und als es kam gen Morgen,

Da fuhren sie voll Sorgen,

Und waren doch (wie Gott es weiß)

Noch nicht halbweges bis Brandeis.

Unter Brandeis ist aber natürlich nicht der Ort dieses Namensbei Prag zu verstehen, das schon im frühen Mittelalter alsStapelplatz an der Elbe oft genannte Brendisium, 1 sondernBrindisi, das alte Brundisium, 2 und daß diese wichtige Handels-stadt, die als Einschiffungsplatz der Pilger nach dem heiligenLande allerorten und jederzeit wohlbekannt war, im Volks-munde mit dem Namen jenes böhmischen Städtchens be-zeichnet wurde, liefert einen höchst beachtenswerten Beleg fürdas Zustandekommen und die Erhaltung der Ideenverbindungzwischen den Namen Böhmens und Apuliens. Das angeführteZitat steht leider bisher völlig vereinzelt da; zum mindestenhaben mir hervorragende Germanisten übereinstimmend mit-geteilt, daß ihnen keinerlei Parallelstelle bekannt sei, und auchdie ausführlichsten mittelhochdeutschen Wörterbücher enthaltennichts in dieser Richtung.

1 Graesse,Orbis latinus" (Dresden 1861, S. 36); Oesterley,Histor.-geogr. Wörterbuch des Deutschen Mittelalters" (Gotha 1883, S. 85).

2 v. d. Hagen und Lambel, a. a. O.