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DIE KÜSTE VON BÖHMEN
Jahre früher aus einem Dorfe des Kreises Pilsen nach Nürnberggekommen sein sollen); und so treffen wir ihn schon beiPigafetta, 1 Barros 2 und Herrera, 3 die von jenem Neben-umstande keinerlei Kenntnis besaßen, als »Martin de Bohemia"aufgeführt, und in Spanien und Portugal noch heutzutage vor-wiegend so benannt. Da nun in späterer Zeit eine Anzahlvon Gelehrten bemüht war, die Entdeckung Amerikas Behaimzuzuschreiben oder wenigstens mit dessen Fahrten in engenZusammenhang zu bringen, so sehen wir seinen Namen injener entstellten Form eine bemerkenswerte Rolle spielen: dieMagellanstraße wird als „Fretum bohemicum" (böhmischeMeerenge), 4 ja der ganze Weltteil als „Bohaimia" oder sogarals »das westliche Böhmen" bezeichnet. 5 Wir begegnen alsohier einem Mißverständnisse genau von der Art desjenigen,der zur Benennung Apuliens mit dem Worte „Böhmen" Ver-anlassung gegeben haben dürfte.
Die Vermutung, daß der Ursprung dieser Benennung bisin die Zeit der Kreuzzüge zurückreiche, läßt sich noch durcheine Stelle aus „Der Wiener Meerfahrt" stützen, einem mittel-hochdeutschen Schwanke, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahr-hundertes von einem fahrenden Sänger, der sich den „Freuden-leeren" nennt, gedichtet wurde. 6 Es wird erzählt, 7 daß zuWien in Österreich einst reiche Bürger auf einer Laube beimWeine zusammensaßen und des Abends, als sie bereits dieWirkung des Weines erfuhren, eine Kreuzfahrt übers Meer zuunternehmen vorschlugen; sie ließen reichlich Speise und Trank
1 Humboldt, I, S. 226 u. 254. 2 Ebenda I, S. 234. 3 Ebenda I, S. 253.
4 Ebenda I, S. 220 und 256. Schon in Postel's „Kosmographie" von
1561 heißt es: „Ad 54. grad. (südl. Breite), ubi est Martini Bohemi fretum,
a Magaglianesio alias nuncupatum."
6 Humboldt I, S. 221. 6 Abgedruckt in v. d. Hagen's „Gesamt-
abenteuer" Bd. II, und bei Lambel a. a. O. II, S. 464.
7 Der Inhalt der Erzählung läßt sich bis auf Athenäus zurückverfolgen,der sie selbst wieder dem Timäus von Taormina ablehnte (v. d. Hagen II,Vorr. S. 69).