DIE KÜSTE VON BÖHMEN
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infolge von Verwechslungen oder Mißverständnissen erhielt,die sich jedoch immerhin an Ereignisse oder Namen vonhistorischer Bedeutung knüpfen mögen. In dieser Hinsicht hatman wohl zuerst anBohemund I. von Tarent zu denken, derwährend des ersten Kreuzzuges als einer der größten Feld-herrn strahlte, 1 das Fürstentum Antiochia begründete und seinemSohne Bohemund II. vererbte, 2 und als leuchtendes Vorbildkühner Heldenhaftigkeit seinen Zeitgenossen wie der Nachweltvorschwebte; sagt doch z. B. selbst Matthäus von Edessa,der 1144 verstorbene armenische Historiograph des ersten Kreuz-zuges: „Die Ungläubigen betrachteten Bohemund als deneigentlichen König der Franken, und sein Name machte ganzChorassan erzittern". 3 Daß Apulien im Volksmunde als das„Land des Bohemund", vielleicht auch schriftlich als »TerraBohemundi" bezeichnet wurde und daß hieraus oder aus einerAbkürzung (etwa „Terra Bohem.") die irrtümliche Benennung„Terra Bohemica" und „Bohemia" (Böhmen) hervorgegangensei, möchte als die wahrscheinlichste Erklärung jener Begriffs-verschiebung gelten.
Diese Annahme würde vielleicht schon an sich allzu kühnerscheinen, ließe sie sich nicht durch eine merkwürdige Parallel-stelle unterstützen, deren Belege Humboldt in seinem klassischenWerke: „Kritische Untersuchung über die historische Entwick-lung der geographischen Kenntnisse von der neuen Welt" 4 zu-sammengestellt hat. Wie daselbst nachgewiesen ist, findet sichder Name des großen Nürnbergers Martin Behaim (geb. 143Ö),Verfertigers der berühmten Erdkugel, auch in der Gestalt Mar-tinus Bohaimus oder Bohemus vor; Behaim selbst be-günstigte diese Schreibweise, 6 weil er in ihr zugleich einen Hinweisauf das Vaterland seiner Vorfahren erblickte (die mehrere hundert
1 Schack, I, S. 189 u. 215. 2 Ebenda I, S. 255 u. 278. 3 Siehe
Wollheim da Fonseca, „Die National-Literatur sämtlicher Völker des
Orients". Berlin 1873, II, S. 496. 4 Übers, von Ideler, Berlin 1852.
5 Humboldt I, S. 225.
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