DIE KÜSTE VON BÖHMEN
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verstanden, 1 zudem aber auch Italien überhaupt als „fremdesLand" bezeichnet wird. Ebensowenig bietet das „Orakel desApollo auf der Insel Delphos" einen Stein des Anstoßes. Shakes-peare, der sich (zumeist Greene folgend) im „Wintermärchen"so manche chronologische Freiheit und seltsame Ungenauigkeitgestattete, z. B. Hermione als Tochter des Kaisers von Ruß-land bezeichnet, 2 — bei Greene gilt dieses von der Gemahlindes Egistus 8 —, den König von Sizilien für seinen Sohn umdie Hand der dänischen Prinzessin Euphrania werben läßt, 4und Julio Romano als hervorragenden Bildhauer rühmt, 5 hatbekanntlich auch vor der Einführung dieses abenteuerlichenOrakels keine Scheu getragen; sei es nun, daß darunter Delphiverstanden war, 6 sei es, daß eine Verwechslung mit Delos vor-liegt: so viel wird jedenfalls als glaublich gelten, daß die Ge-sandten, die zu ihrer Reise drei Wochen brauchten, 7 „in kurzerZeit von Delphos nach Böhmen heimsegeln" konnten. Wennendlich von „Böhmens Wüsteneien" die Rede ist, 8 wenn esheißt: „Einsamer Stellen gibts in Böhmen viel", 9 so trifft auchdieses gar wohl auf die zahlreichen waldlosen und unbebautenFelsenküsten Apuliens zu, und die Nähe Siziliens und Apuliens
1 Ebenda, S. 73 und 75. Der arabische Geograph Edrisi bezeichnetnoch in seinem um 1154 beendeten Werke Roger II., an dessen Hofe erlebte, als „König von Sizilien, Italien, Lombardien, Apulien und Calabrien".S. auch Schack, „Geschichte der Normannen in Sizilien", Stuttgart 1889; II,S. 29. Noch in Seb. Brant's 1494 verfaßtem „Narrenschiff" heißt es(Absatz 99, Vers 55) von den Türken: „Apulien tun sie schon Gewalt, Sizilienfolgt dann alsobald, Italia stößt zunächst daran".
2 „Wintermärchen", Akt III, Szene 2. 3 Simrock, S. 46. 4 Ebenda,
S. 53. 6 „Wintermärchen", Akt V, Szene 2.
6 „Delphin" als Orakel des Apollo findet sich z. B. auch in Jakob
Ayrer's „Comedia von zweien fürstlichen Räthen" (Nürnberg 1618), die an
Shakespeare's „Cymbeline" erinnert, und eine romanische oder lateinischeVermittlung voraussetzt. Siehe bei von der Hagen „Gesamtabenteuer",
Stuttgart 1850. III, Vorrede S. 95. Eine „Insel Delphos" wird übrigens in dermittelalterlichen Literatur nicht selten erwähnt, und zwar schon sehr frühzeitig,z. B. in Warnefried's „Geschichte der Longobarden", Hb. 2, cap. 23.
„Wintermärchen", Akt II, Szene 3. 8 u. 9 ebenda, Akt III, Szene 3.
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