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DIE KÜSTE VON BÖHMEN
ihrer Pilgerfahrt ins heilige Land heimkehrten, nachdem sievon Korsaren unterwegs überfallen, aber schließlich glücklichentronnen waren; sie seien „gegen Böhmen" . . . gelandet, undbrachten der St. Theobaldskirche zu Thann ihr versprochenesOpfer von fünfzig Pfund Wachs dar". Hier begegnen wir alsowiederum der Küste von Böhmen, zugleich mit ihr aber aucheiner Erklärung, denn hinter dem Worte Böhmen findet sichdie Einschaltung „hiermit ist Apulien gemeint". Diese Er-zählung, welche um so belangreicher erscheint, als die Einfach-heit und Bestimmtheit des Berichtes jede Möglichkeit einerVerwechslung oder Mißdeutung ausschließt, weist also daraufhin, daß in gewissen Zeiten, und zwar noch in solchen, dieder Epoche Greenes und Shakespeares ziemlich nahe liegen,die südöstliche Küstenlandschaft Italiens mit dem Namen„Böhmen" bezeichnet wurde. Halten wir zunächst an derRichtigkeit dieser Angabe fest, und versuchen wir an derenHand das „Böhmen" des „Wintermärchens" und der Novelle„Pandosto" zu deuten, so zeigt sich allerwärts die erwünschteÜbereinstimmung: ein guter Wind trägt den König Egistusrasch nach Sizilien heim; 1 ein zweitägiger Sturm verschlägt dasSchiffchen der Faunia (Perdita) von Böhmen nach Sizilien; 2ein dreitägiger Orkan läßt die aus Sizilien fliehenden Liebendenan Böhmens Küste landen, 8 woselbst sie zuerst ein etwa eineMeile von der Hauptstadt entferntes Dorf betreten; 4 böhmischeKaufleute, die nach Sizilien reisen, verraten dem Egistusden Aufenthalt des jungen Paares, 5 und drei Tage dauertdie Fahrt der königlichen Gesandten von Böhmen nachSizilien. Daß Dorastus (Florizel) mit Faunia (Perdita)nach Italien flüchten will, 6 seine Landung in Apulien jedochals Vereitelung dieser Absicht erscheint, birgt insofern keinenWiderspruch in sich, als hierbei unter „Italien" offenbar nurein bestimmter Teil des heute so benannten ganzen Landes
1 Simrock II, S. 44. 2 Ebenda, S. 51. s Ebenda, S. 73.
4 Ebenda, S. 73. 6 Ebenda, S. 82. 6 Ebenda, S. 65.