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[1] (1906)
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ALRAUN UND SCHWARZER HUND

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Türen der Schatzgewölbe, und verleiht ferner langes Leben,Macht über das Wetter, und Kindersegen. Als heilige Pflanzedarf sie nur unter Beobachtung besonderer geziemender Ge-bräuche dem Boden entnommen werden, widrigenfalls sie alldas Unglück und Übel herbeiführt, vor dem sie sonst schützt;beim Brechen der Wurzel erhebt sich Lärm, Sturm und Donner-getöse, indem der bis dahin festgewurzelte Donnerkeil seinealte Natur wiedergewinnt. Die Springwurzel, ebenso wie dieWünschelrute, die man unter anderem gleichfalls aus dem Holzeder Eberesche gewinnen kann, haben (oder erhalten künstlich)menschliche Gestalt als Mann oder Weib; sie werden wie kleineKinder gekleidet und gehegt, mit Wein oder Met genährt, ineiner Wiege oder wiegenähnlichen Truhe aufbewahrt, und mitmenschlichen Namen benannt, indem man über sie drei Kreuzemacht. Die drei Kreuze sind aber das Zeichen des GottesTor oder Donner, der mit dem dreigespitzten Hammer Blitzeaus den Felsen schlägt oder den Hammer selbst als tod-bringendes Geschoß wirft (daher die Redensart »vom Donnergerührt", »vom Donner geschlagen"), und dem deshalb derKreuzdorn, die Mistel und die Hasel heilig sind.

Aus dem Dargelegten ergibt sich nun auch ohne Schwierig-keit die Quelle des an der Mandragora haftenden Aberglaubensund seine Deutung. Den Ausgangspunkt bildete offenbar dieauffällige, das einfachste Bild des zweibeinigen Menschen ver-sinnlichende Gestalt der Wurzel, vielleicht auch ihr lebhaft (biszur Tollheit und Raserei) erregender, daher anscheinend be-rauschender Saft; daraufhin wurden ihr dann auch die übrigen,in dem geschilderten Vorstellungskreise hiermit zusammen-hängenden Eigenschaften beigelegt, deren mannigfaltigen mytho-logischen Beziehungen sie in jeder Hinsicht entspricht.

Die Alraunwurzel findet sich zunächst unter heiligen Bäumen,z. B. Eschen, Eichen, Eiben, Haseln und Kreuzdorn; ihre Ent-stehung aus dem Samen eines am Galgen Gehängten verweistauf das sagenhafte neuntägige Hängen Odins an der Weltesche