ALRAUN UND SCHWARZER HUND
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kleidet sie jeden Neumond mit einem weißen Hemdlein, badetsie jeden Sonnabend, und bewahrt sie in einem Kästchen auf.
Die gelehrten Kommentatoren der antiken Schriftsteller ausder Zeit der beginnenden Renaissance, sowie besonders dieVäter der deutschen Botanik, z. B. Manardus (1462 bis 1536),Mathiolus (1501 bis 1577), Marcellus Vergilius (1518),Brasavoli (1545), Amatus Lusitanus (1554), Bock (1498 bis1554), Fuchs (1501 bis 1566), Tabernämontanus (1588) U .A.,suchten vergeblich Aufklärung über die Mandragora zu ver-breiten und die Betrügereien aufzudecken, die mit ihr getriebenwurden: so z. B. schnitt man die Wurzeln der gemeinen Zaun-rübe (Bryonia alba) zu menschlichen Gestalten zurecht, ließihnen Haare wachsen, indem man sie mit Gras- oder Hirse-samen besteckt in feuchten Sand legte, und stattete sie schließ-lich mit allerlei schreckhaften oder grauenerregenden Attributenaus; einzelne derartige Kunstprodukte haben sich bis auf denheutigen Tag erhalten. 1 Der großen Lebensgefahr wegen, dieangeblich mit ihrer Ausgrabung verknüpft war, wurden dieAlraune um schweres Geld verkauft, so z. B. erwarb nochKaiser Rudolph II. (1576 bis 1612) einen solchen für 100 Taler,und zur nämlichen Zeit wurde in Leipzig ein Exemplar mit64 Reichstalern bezahlt. Trotz aller Verbote und schwererStrafen (von der Auspeitschung bis zur Hinrichtung) bliebdaher der Handel mit Alraunen ebenso unausrottbar wie derWunderglaube des Volkes; wie allverbreitet dieser war, zeigt u.a.das Lustspiel »La mandragola" des Machiavelli, aus demLafontaine eine seiner Erzählungen schöpfte.' 2
Aus den oben angeführten Berichten 3 ergibt sich ferner,daß die nach Vorschrift erworbene und behütete Alraunwurzelihrem Besitzer hauptsächlich vier Gaben einbringt, nämlichGesundheit, Kindersegen, Gewalt über das Wetter, und Reich-tum an Schätzen und Gold; legt man ihr z. B. nächtlich einen
1 Peters, a. a. O.; I, S. 181. 2 „Contes et Nouvelles" III, 2.
8 Qraesse, a. a. O.