ALRAUN UND SCHWARZER HUND
193
umherspringe und viel von erotischen Dingen rede, und sieschließlich, den Blick gegen Westen gerichtet, aus der Erdereiße; über die Ursachen dieses Aberglaubens, der uns hierzum ersten Male begegnet, spricht sich Theophrast nichtaus, sondern sagt nur noch, die Pflanze sei ein Heilmittelvieler Krankheiten, bewirke aber, in größerer Menge genossen,tiefen Schlaf, ja selbst Tod. In diesem Sinne gebraucht auchDemosthenes (383 bis 322 v. Chr.) die Redensart „örci [AavSpa-yopa -/tafrsuXsiv" (unter der Mandragora schlafen = sterben) alssprichwörtlich. Nicht unmöglich ist es übrigens, daß schonHomer auf die Mandragora anspielt, wo er von dem Kraute,das Hermes dem Odysseus als Gegenmittel für den Zauber-trank der Circe übergibt, sagt: 1
„Schwarz war die Wurzel zu schaun, jedoch milchähnlich die Blüte;
Moly wird's von den Göttern genannt; schwer ist es zu graben
Sterblicher Menschen Geschlecht; doch Himmlische können ja alles."
Columella (35 bis 65 n. Chr.) nennt die Mandragora wieder,wie Pythagoras, „planta semihominis ". 2 Plinius (23 bis 79)erzählt, sie komme in zwei Arten vor, einer männlichen undeiner weiblichen, und enthalte einen schmerzstillenden, schlaf-bringenden, bei allzu großer Gabe aber betäubenden und töd-lichen Saft; das Ausgraben geschehe vom Winde abgewandt,und nachdem man, das Gesicht nach Westen gekehrt, miteinem Schwerte drei Kreise um sich gezogen hat. 3 Diosko-rides berichtet in seiner um 77 oder 78 verfaßten „Materiamedica" ungefähr das nämliche: die Pflanze besitze zwei Ge-schlechter, liefere einen in kleinerer Menge einschläfernden, ingrößerer betäubenden und tödlichen Saft, den die Ärzte in Ge-stalt eines Weines als Anästheticum bei Operationen anwenden,und bewähre sich außerdem als kräftiges Liebesmittel. 4 Denerwähnten medizinischen Gebrauch bestätigen auch andere
1 „Odyssee", X, 302 ff.
naturalis", lib. 25, cap. 94.
cap. 81.
v. Lipp mann, Beiträge.
8 „De re rustica", 10, 19. 3 „Historia4 „Materia medica", lib. 4, cap. 76; lib. 5,
13