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[1] (1906)
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ALRAUN UND SCHWARZER HUND

war Antwort zu erhoffen, wenn es gelang, die Geschichte derAlraunwurzel und des ihr anhängenden Aberglaubens bis zueinem gewissen Grade aufzuklären.

Was nun die Alraunpflanze oder Mandragora officinalisselbst anbelangt, 1 so ist sie eine in Mittel- und Südeuropaheimische, zum Geschlecht der Solaneen oder Nachtschattengehörige und der Tollkirsche (Atropa Belladonna) verwandteperennierende Pflanze, mit sehr großer, dicker, graubrauner,stark und lang behaarter, rübenförmiger, fast stets deutlich zwei-geteilter Wurzel, mit milchweißen Blüten und gelblichen Beeren;Wurzelrinde und Blätter schmecken bitter, riechen betäubend,und wirken, wie auch die übrigen Teile der Pflanze, starknarkotisch, was, wie Ahrens zuerst zeigte, 2 auf dem Vorhanden-sein zweier giftiger, dem Atropin und Hyoscyamin nahestehenderAlkaloide beruht.

Das eigentümliche Aussehen der behaarten, gleichsamzweibeinigen Wurzel scheint schon in frühester Zeit Vergleichemit der menschlichen Gestalt veranlaßt zu haben, da bereitsPythagoras (580 bis 500 v. Chr.) sie iv&pwrou-opcpv) nennt; 3auch waren ihre medizinischen Wirkungen wohlbekannt, dennschon Hippokrates (460 bis 356 v. Chr.) bezeichnet in einervon ihm verfaßten oder ihm zugeschriebenen AbhandlungDelocis in homine" den Saft als beruhigendes und die Gallen-absonderung förderndes, in großen Dosen aber als gefährliches,Raserei verursachendes Mittel. Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.)erwähnt die Mandragora in der SchriftDe somno et vigilia"als schlafmachend; 4 sein Schüler Theophrast (372 bis 285v. Chr.) berichtet, 5 man gewinne ihre große dicke Wurzel,indem man drei Kreise mit dem Schwerte um sie ziehe, dabei

1 s. Wittstein,Handwörterbuch der Pharmakognosie des Pflanzen-

reiches" (Breslau 1882, S. 18). 2 Liebig'sAnnalen", Bd. 251, S. 312.

8 s. Sprengel's Ausgabe des Dioskorides (Leipzig 1830). 4 Ausgabe

der Berliner Akademie, v. 3, 456 b, 30. 6Historia plantarum" 6, 2; 9,

8 und 9.De causis plantarum 6, 2 und 4.