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[1] (1906)
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124 ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN

höheren Kältegrad erzeugen als ihre Komponenten allein, undeine Eisgewinnung immerhin wenigstens als möglich erscheinenlassen; vielleicht ist aber auch gar nicht gemeint, daß das Wassermateriell, sondern nur daß es dem Geschmacke nach «zu Schneewerde", welche Auslegung der Schlußworte jedoch mit demEingange der Beschreibung, die in klaren Worten die Herstellungvon Eis anführt, gleichfalls im Widerspruche bleibt. Mag nunauch die Stelle in ihren Einzelheiten undeutlich und weitererAufklärung bedürftig sein, als Ganzes tut sie jedenfalls dar, daßdie Anwendung der Kältemischungen um etwa drei Jahrhunderteweiter zurückreicht, als man bisher annahm, demnach bis injene Zeit, zu der der Salpeter nachweislich zuerst im Abendlandebekannt wurde. In chinesischen Schriften findet sich der Salpeternicht vor etwa 1150 n. Chr. erwähnt, und von China aus ge-langte er, wahrscheinlich durch arabische Handelsbeziehungen,nach dem Westen; Ibn-Beithar (1197 bis 1248), ein sehr ge-lehrter und weitgereister arabischer Kompilator, erwähnt ihnunter dem Namen des chinesischen Salzes schon in Spanien,und die arabischen Ärzte verschrieben ihn wegen seineskühlenden Geschmackes als kräftiges Mittel gegen das Fieber,als das er viele Jahrhunderte hindurch gebräuchlich blieb. 1Vielleicht hat, wenn man nach zahlreichen Analogien urteilendarf, gerade dieser kühlende Geschmack die Anwendung desSalpeters auch zum Kühlen von Wasser veranlaßt, und falls sicheine solche Erfindung, wie so viele andere arabischen Ursprunges,von Spanien 2 her über das benachbarte Südeuropa ausbreitete,wäre es leicht erklärlich, daß sich gerade Männer wie Villa-franca, Zimara und Latinus Tancredus, Söhne Spaniens oderdes mit Spanien in so engem politischem und Handelsverbandestehenden Unteritaliens, zuerst mit ihr näher vertraut zeigen.

1 Lemery, a.a.O. Kobert,Pharmakotherapie" (Stuttgart 1897),S. 217. 2 Über die vielfache Anwendung von Eis und Schnee, inner-lich wie äußerlich, in der spanischen, fast durchweg auf arabischen Traditionenberuhenden Medizin des 16. Jahrhunderts s. Prescott,Geschichte Philipp II."(Leipzig 1856, III, S. 273).