Druckschrift 
[1] (1906)
Entstehung
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123
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ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN 123

eines Magribin (Bewohners von Nordwest-Afrika) folgend: «Mannimmt ein Leinenkorn, taucht es in guten scharfen Weinessigein und wirft es, sobald es in diesem aufgequollen ist, in einenmit Wasser gefüllten Krug, worauf das Wasser darin gefriert,auch in der heißesten Jahreszeit" Von der zweiten Methodeheißt es:Ibn Bachtawaihi 1 teilt in seinemBuche der Ein-leitungen" folgendes Rezept zur künstlichen Herstellung vonEis mit: Man nimmt vom besten südarabischen 2 Salpeter einRotl, 8 zerkleinert ihn gründlich, tut ihn in einen neuen irdenenTopf, gießt sechs Rotl reines Wasser darüber, stellt das Ganzein einen Ofen, den man verschließt, und läßt zwei Drittel davonverdunsten. Es bleibt ein Drittel übrig, das weder zu- nochabnimmt, da es zu einer festen Masse wird. Diese tut man ineine Flasche, die man gut verkorkt, und will man Eis herstellen,so nimmt man einen neuen, mit reinem Wasser gefüllten Be-hälter^), 4 bereitet darin zehn Miskäl Salpeterwasser, läßt eineStunde lang stehen, und es wird zu Schnee". Wie mir HerrProf. Dr. A. Fischer in Berlin mitteilt, ist diese Übersetzung,für die ich ihm zu großem Danke verpflichtet bin, etwas un-sicher, teils weil schon der arabische Text schwer verständlich,und vermutlich, wie an so vielen Stellen naturhistorischen Inhaltes,durch unwissende Abschreiber verderbt ist, teils weil er einigewenig oder gar nicht bekannte Worte enthält. Anscheinendhandelt es sich, soweit die unvollständige Beschreibung erkennenläßt, erst um eine Reinigung des rohen (aufgelösten und filtrierten?)Salpeters, und dann um eine Verwendung der festen Kristalleoder des dicken Kristallbreies zu Kühlzwecken; allerdings istreiner Salpeter zur Eisbereitung nicht brauchbar, aber der so-genannte raffinierte, und um so mehr der rohe Salpeter, stelltenstets Salzgemische dar, 5 die bekanntlich einen erheblich

Die \\ erke dieses Schriftstellers scheinen nicht erhalten zu sein,d. h. über Südarabien bezogenen. 3 1 Rotl = 2566 g. 4 Das betreffendeWort ist nicht bekannt. "Lemery,Cours de Chymie" 1675; DresdenerAusgabe von 1726; I, S. 512. Berzelius:Lehrbuch der Chemie", 1845,3, S. 125.