ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
dahin führten, Quecksilber mittels Kältemischungen aus trocke-nem Schnee und verdünnter Schwefel- oder Salpetersäure infestem Zustande darzustellen.
Die große Kraft dieser Kältemischungen rühmt auch Baumein seinen 1756 bis 1773 veröffentlichten Versuchen; 1 hohe Kälte-grade erhielt er ferner mittels Eis und Alkohol, einer Mischungvon Salz und Salmiak, Kali, Natron oder sogar Ätzkalk, der dasThermometer auf —4,5° sinken machte; 2 eine geringere Ab-kühlung zeigte sich beim Lösen von Zucker in Wasser," wiedies schon Boyle wahrgenommen und 1744 Machy für Zuckerund Milchzucker bestätigt hatte. 1 Die Ursache dieser Erscheinungsucht auch Baume ausschließlich in einer gelegentlich allersolchen Reaktionen eintretenden Schmelzung und Lösung; esist erwähnenswert, daß sich zurnämlichen Zeit (1763) Kant eben-falls mit dieser Frage beschäftigte, und die Kälte als durch dieKontraktion des Volumens der Mischung hervorgerufen ansah. 5
Von Versuchen späteren Datums sind noch hervorzuheben:die von Lowitz (1793), dessen Gemenge aus trockenem Schneeund kristallisiertem Chlorcalcium zu Temperaturen von —50°führten, die von Fourcroy und Vauquelin (1799), die sichauf eine große Anzahl verschiedener Stoffe erstreckten, sowiedie durch ein Preisausschreiben der Pariser „Societe d'encourage-ment" veranlaßten von Decourmanche, Malepert undBoutigny (1824), die nachher noch von Filhol und Fumetfortgesetzt und verbessert wurden. Auf die neuere, wissen-schaftliche Erforschung der Kältemischungen durch Karsten,Hanamann, Rüdorff, Pfaundler und Andere einzugehen,liegt nicht mehr in der Absicht dieses Vortrages, und ebenso-wenig soll eine Beschreibung der zahlreichen, zu praktischen,namentlich häuslichen und kulinarischen Zwecken empfohlenen
1 „Kleinere chemische Schriften" (Frankfurt 1800), S. 397. 2 ebd.
S. 135,108, 505, 495, 501. 3 ebd. S. 209. 4 S. meine „Chemie der Zucker-
arten" (Braunschweig 1904), S. 1162 u. 1541. 6 „Versuch, den Begriff der
negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen" (Werke 1838, 1, S. 139).