120 ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
Salzgeister enthält als dieses? Fraglich erscheinen auch andereAnsichten jener holländischen Physiker: so soll das Gefrierendes Bodens in der Tartarei, die Vergletscherung der Andenzwischen Peru und Chili, sowie das Vorhandensein von Eis-höhlen im Jura auf der Nähe riesiger Lager von Salpeter, Salzund Salmiak beruhen, und ebenso auch die Bildung der festenEiskristalle (d. i. des Bergkristalls) in den nämlichen sechseckigenFiguren, die von allen Salzen allein der Salpeter zeige. 1 — NachVersuchen von Lister, so berichtet Winckler, gefrieren mitsteigender Schwierigkeit die wässerigen Lösungen von Mauer-salpeter, rohem ägyptischem Natron und Meersalzen, und der-selbe Grund, der das Salz- und Seewasser schwer gefrierenmacht, bewirkt umgekehrt auch, daß Salz das Eis schon beihöherer Temperatur löst, wie denn z. B. die Eisbeschläge derFensterscheiben sofort verschwinden, wenn man sie mit einemin Salzwasser getauchten Schwämme überfährt. Besonders hoheKältegrade erhält man, wie schon Fahrenheit und Ham-berger beobachteten, mittels Eis und stärkstem Alkohol,Schnee, Kochsalz und Weingeist, oder Alkohol und Eis oderSchnee nebst konzentrierter Salzsäure oder Salpetersäure, ja dieKälte kann hierbei so groß werden, daß diese Säure selbstgefriert und kristallinisch wird. Merkwürdig ist es hingegen,daß man das Quecksilber, trotzdem es schon flüssig und sehrdicht ist, auf keine Weise zum Erstarren bringen kann. —Offenbar war es nicht zu Winckler's Kenntnis gelangt, daßde l'Isle schon 1736 das Quecksilber zu Irkutsk gefrieren sah;als sich diese Nachricht weiter verbreitete, gab sie übrigensden Anreiz zu zahlreichen Versuchen, die nach einer AngabeBlagden's, 2 zuerst Nab sowie Braun in Petersburg 1759/60
1 Die Entstehung des Bergkristalls durch Gefrieren von Wasser beigroßer Kälte lehren viele alte Schriftsteller, z. B. Plinius. Daß aber dieKälte hoher Berge irgend welchen geheimen Einflüssen des Bodens zuzu-schreiben sei, glaubte noch 1738 ein Gelehrter vom Range Daniel Ber-noullis (s. Humboldt, „Centraiasien", Berlin 1844, 2, S. 149). 2 „Ge-schichte der Versuche über das Gefrieren des Quecksilbers" (London 1783).