118 ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
also nicht Wärme, sondern Kälte erzeugt habe, was für diePhilosophie sehr schwer zu erklären sei". Als zwar bekannt,aber als merkwürdig und unerklärlich, führt 1650 auch dergroße Descartes die Kältemischungen aus Schnee oder Eisund Kochsalz an; 1 sein Zeitgenosse, der gelehrte Aldrovandi,beschäftigte sich im „Musaeum Metallicum" (1648) gleichfallsmit der Einwirkung von Salpeter oder Salz auf Wasser, undglaubt, daß auch die Töpfer Kochsalz zu ihren Glasuren zu-setzen, um diese „kühlender" zu machen!
Zu wissenschaftlichen Zwecken stellte zuerst der italienischePhysiker Aggiunti gegen 1635 Gefrierversuche mittels Wasserund verschiedener Salze an, wobei er bestätigte, daß sich dasWasser beim Frieren nicht zusammenziehe, sondern ausdehne,wie dieses schon Galilei aus dem Schwimmen des Eises aufWasser gefolgert hat; 1665 veröffentlichte dann Boyle seineausführlichen Versuchsreihen, 2 beschrieb die Kälteerzeugungmittels Schnee oder Eis und zahlreichen Salzen (darunter auchSalmiak), Säuren, und neutralen Körpern (z. B. Zucker), wider-legte die in cartesianischem Geiste abgefaßte Häkchen- undSpitzentheorie des Gassendi (1592 bis 1655), und gab zugleichdie richtige Erklärung, der gemäß das Auftreten der Kältedarauf beruht, daß die Salze den Aggregatzustand des Eisesund Schnees ändern, indem sie Schmelzung bewirken; hieraufberuht auch sein hübscher Versuch, zwei kalte Gegenständemittels Eis und etwas Salz aneinanderzuschmelzen, was mit Eisallein nicht gelingt. — Ob die 1657 herausgegebenen Schriftender berühmten florentinischen „Accademia del Cimento" inihrem Kapitel über Kältemischungen ganz Selbständiges odernur eine Wiederholung älterer Boylescher Versuche wieder-geben, steht nicht fest; sie berichten ausführlich über dieEinwirkung von Salz, Salpeter, Salmiak und Alkohol, sowievon deren Gemischen auf Wasser, Schnee und Eis. DieVersuche von St. Geoffroy (1700) und Homberg (1701)
1 „Meteore", cap. 8. 2 „Historia experimentalis de frigore."