ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
miraculis occultis", man könne mit „sal nitrum vulgo salpetei"die Getränke derartig abkühlen, daß sie fast unerträglich fiiidie Zähne seien, und ähnlich sprechen sich auch 1566 Mizaldus(Mizauld) in den „Centuriae IX. memorabilium", und der spa-nische Arzt Monardus (1493 bis 1578) in seiner von Clusius(de l'Ecluse) übersetzten Schrift »De nive" aus. Der berühmteBaptista Porta zu Neapel gibt 1589 schon an, daß manmittels Eis und Salpeter eine weit höhere Kälte als mittelsWasser und Salpeter erzeugen könne, 1 und ebenso berichtet1607 sein Landsmann, der Professor der Medizin LatinusTancredus, daß Schnee und Salpeter große Kälte ergäbe, jaWasser zu klarem festem Eise erstarren mache. 2 Barclay läßtin seinem Romane „Argenis", der 1621 zu Paris gedruckt ist,bereits gefrorenen Wein und in Bechern und Hohlformen ge-frorene Fruchtsäfte auftragen, und Sanctorius bestätigt 1626in seinem Kommentar zum „Canon" des arabischen Arztesund Schriftstellers Avicenna, daß in der Tat selbst der Wein ineinem solchen Gemische erstarre, das man übrigens auch durchein Gemenge von 1 Teil Schnee und 1 / 3 Teil Kochsalz zu er-setzen vermöge. Bacon von Verulam (1561 bis 1626) be-richtet an mehreren Stellen seiner Werke über Kältemischungenaus Wasser, Schnee oder Eis mit Kochsalz oder Salpeter, 3 läßtes dahingestellt, ob man aus Wasser und Salpeter allein wirklichEis zu bereiten imstande sei, und bezeichnet die ganze Erfindungals eine der bemerkenswerten der neueren Zeit. In gleichemSinne äußert sich 1627 Nonnius, der Verfasser einer viel-gelesenen „Diätetik", sowie 1644 der Jesuit Cabeus; in seinemKommentar zur „Meteorologie" des Aristoteles behauptet er, beigenügend lebhafter Bewegung mittels 35 Teilen Salpeter 100TeileWasser in festes Eis verwandelt zu haben, „wobei die Bewegung
1 „Magia naturalis" 22, 20. * „De fame et siti" 2, 27.
3 „Natural History" 1, 83 (Works, London 1879, I, 95). „De Aug-
ments Scientiarum" 5, 2 (II, 359). „Historia vitae et mortis", Absatz „Operatiosuper Spiritus" No. 44 (II, 580). Siehe auch I, 86 u. 93, sowie II, 341 u. 556.