116 ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
Kältemittel begegnen wir, der üblichen Annahme nach, aufitalienischem Boden. Ein spanischer Arzt zu Rom, BlasiusVillafranca, wird als derjenige bezeichnet, der 1550 die Ab-kühlung des Wassers durch Auflösen von Salpeter zuerst ge-lehrt habe. In seiner Schrift „Methodus refrigerandi ex vocatosalenitro vinum aquamque ac potus quodvis aliud genus" be-schreibt er die Abkühlung von Wein und anderen Getränkenin langhalsigen Phiolen, die man in Gefäßen mit kaltem Wasser,während in diesem ein Viertel bis ein Fünftel seines GewichtesSalpeter aufgelöst werde, rasch und regelmäßig herumdrehe.Diese Methode, so sagt er, stehe zur Abkühlung von Wasserund Wein in den Häusern aller Vornehmen in Gebrauch, undder Salpeter könne, entgegen den Ansichten Einiger, durchKristallisation wiedergewonnen und dann abermals benutztwerden; sie sei durch die Wahrnehmung veranlaßt worden,daß Salzsoolen im Sommer stets kühler schmeckten als reinesWasser, und er habe zuerst ihre (nach echt scholastischen Prin-zipien abgefaßte und heute kaum mehr lesbare) Erklärung ge-geben und sie zuerst öffentlich beschrieben.
Wie man sieht, nimmt Villafranca nur den Ruhm fürsich in Anspruch, die neue Erfindung allgemein bekannt ge-macht zu haben; doch ist es zweifelhaft, ob ihm selbst diesergebührt, denn Zimara, ein apulischer Arzt, der 1525 bis 1532Professor in Padua war, beschreibt in seinem Buche „Proble-mata" die Kühlung mittels Salpeters ebenfalls, und erteilt aufdie Frage des Herzogs von Ferrara, worauf sie denn beruhe,eine äußerst breite, vom ödesten scholastischen Schwulste er-füllte Antwort. Da nun Villafranca selbst zugibt, das Ver-fahren sei in Rom schon weit verbreitet, man habe über dieWiederverwendung des Salpeters gestritten u. s. f., so ist eskeineswegs unmöglich, daß Zimara es ebensogut wie er oderauch schon früher gekannt habe; die Jahreszahl 1530 für dasErscheinen der „Problemata" steht aber nicht unbedingt fest.
1559 erwähnt Levinus Lemnius in seinem Buche „De