114 ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
Luxus zu entnehmen, den das verfallende römische Reich auchin dieser Hinsicht entfaltete; ließ doch Kaiser Heliogabalus(218 bis 222) während der Sommerzeit neben seiner Villa zuseinem Vergnügen ganze Schneeberge anhäufen, 1 und derUsurpator Carinus (um 285) sogar sein Badewasser aus Schneebereiten! 2
Während des frühen Mittelalters zeichneten sich nament-lich die üppigen Hofhaltungen der Kalifen in Damaskus undBagdad, sowie der ägyptischen Sultane in Kairo, durch ähn-liche Prunksucht und Verschwendung aus. Schon im 8. Jahr-hunderte wurden am arabischen Hofe mannigfaltige gekühlteWürztränke und namentlich gezuckertes Rosenwasser mit Schneegenossen, dessen Beschaffung aus dem Libanon oder aus denarmenischen Hochgebirgen, und dessen sachgemäße Auf-bewahrung als Gegenstand größter Wichtigkeit galt und baldso unentbehrlich erschien, daß bereits der Geograph Ibn-Haukal (um 900) einer Steuer auf gekühltes Wasser Erwäh-nung tut; 3 der Kalif Mahdi (775 bis 785) brachte zuerstSchnee in ganzen Kamelladungen bis nach Mekka, 4 undeiner seiner Nachfolger schützte sich gegen die Sommerhitzedurch Aufenthalt in einem Zimmer mit doppelten Wänden,deren Zwischenraum mit Schnee gefüllt wurde. Zu Kairoempfing, so erzählt um 1040 der persische Reisende Nassiri-Chosrau, allein die Küche des Sultans täglich vierzehn Kamel-ladungen Schnee, zu dessen Transport von Syrien nach Ägyptenein besonderer Eildienst mit mehreren Relaisstationen bestand. 5Auch in späterer Zeit rühmen die Reisenden Frescobaldi(1384) und Casola (1494) die Menge und die treffliche Er-haltung des Schnees in Damaskus und in Syrien, 6 und zuKairo erstreckte sich dessen Gebrauch auf alle Bevölkerungs-
1 Lampridius, „Heliogabalus", cap. 23. 2 Vopiscus, „Carinus",
cap. 15. 3 S. meine „Geschichte des Zuckers" (Leipzig 1890), S. 111 u. 113.
« Gibbon, „History of the decline . . (Philad. 1868), 5, 297. 6 „Ge-
schichte des Zuckers" S. 142. 6 ebd. S. 203.