112 ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN
ähnlich heißt es auch in einem nicht genau datierbaren Disti-chon der griechischen sogenannten „Anthologie": „SüßesGetränk ist im Sommer dem Durstenden Schnee". 1
In Rom war die Verwendung von Schnee und Eis zuAnfang der Kaiserzeit bereits eine ganz allgemeine, wie Seneca(1 bis 65 n. Chr.), Petronius (um 70), Plinius (23 bis 79),Plutarch (50 bis 120), Martial, Juvenal und andere be-zeugen. Es gab für diese Luxusware verschiedene, vermutlichje nach deren Reinheit wechselnde, aber stets sehr hohe Preise,und auch die Redensart „selten und kostbar wie Schnee inÄgypten" gebraucht schon Plutarch sprichwörtlich; bei Beginnder Mahlzeiten begoß man die Hände mit Schneewasser, 2 mankühlte den Wein mit Schnee und die Getränke mit Eis, mantrank Schnee- und Eiswasser und warf Schnee in die Wein-becher, 3 ja selbst in der Einladung zu einem „einfachen Abend-essen" verspricht der jüngere Plinius seinem Freunde Clarusneben Kopfsalat, drei Schnecken und zwei Eiern, auch Grützemit Met und Eis. 4 Die Aufbewahrung des zusammengepreßtenSchnees geschah nach Seneca in Gruben, die man mit Erde,Mist oder Baumzweigen zu bedecken pflegte, — eine Kunst,die nach Athenäus (um 220) schon Alexander der Großewährend der Belagerung von Petra angewandt haben soll; 5Plutarch erörtert ausführlich die Frage, wieso der Schnee,mit Spreu bedeckt und in dichte neue Tücher eingehüllt, sichso lange Zeit in so gutem Zustande erhalten könne, und findetnamentlich diese Einwirkung der wärmenden Spreu auf denkalten Schnee höchst wunderbar, 6 worin ihm übrigens nochnach Jahrhunderten der heil. Augustinus beistimmt. 7 Daß derso aufbewahrte Schnee nicht besonders rein war und nach
1 ed. Regis, No. 169 (Stuttg. 1856, 10). 2 Petronius, „Satyricon"
31 u. 74. 3 Seneca, „Naturgesch. Betrachtungen" 4, 13; „Briefe" 78 u. 95.
Martial, „Epigramme" 14, 116 und 118. Juvenal, „Satiren" 5, 50 und 63.
4 „Briefe" 15. 5 „Deipnosophisten" 3, 96 ff. 6 „Tischgespräche" 6, 6;
„Gesundheitsregeln" 6. 1 „De civitate dei" 21, 4.