ZUR GESCHICHTE DER KÄLTEMISCHUNGEN 111
Literatur sowie auf die großen Sammelwerke verwiesenwerden muß. 1
Daß das Bedürfnis nach Kühlung, zunächst zu häuslichenZwecken, seit jeher ein sehr allgemeines und weit verbreiteteswar, zeigt uns eine große Zahl aus alten Zeiten stammenderBerichte. In China z. B. erwähnt schon das etwa im 6. vorchrist-lichen Jahrhunderte abgefaßte kanonische Liederbuch „Schiking"die Aufbewahrung von Eis für die Sommermonate und schreibtin einem seiner älteren, vermutlich bis in das 11. Jahrhundertzurückreichenden Abschnitte gewisse religiöse Zeremonien fürdas Füllen und Entleeren der Eiskeller vor. 3 — Die Indier be-nutzen seit unbestimmbar langer Zeit das Zusammenwirkenvon Verdunstungskälte und Wärmeausstrahlung, indem siewährend ganz klarer und windstiller Nächte Wasser in flachenporösen irdenen Pfannen auf eine Unterlage trockenen Strohesin kleine Erdgruben stellen, wobei sich dann vor Sonnenauf-gang eine Eisschicht gebildet, jedenfalls aber das Wasser bisgegen den Gefrierpunkt abgekühlt hat; auch daß salzigesWasser (seines tieferen Gefrierpunktes wegen) hierbei einenbesonders hohen Kältegrad annimmt, scheint schon frühzeitigbekannt gewesen zu sein, zum mindesten enthält bereits dasetwa im 4. Jahrhunderte unserer Zeitrechnung redigierte, fürdie Übermittlung des indischen Märchenschatzes an das Abend-land so außerordentlich wichtige „Pancatantram" den Vers:„Dann ist das Wasser kühl, wenn's Salz enthält". 3 — Bekanntist es ferner, daß ein Spruch Salomonis lautet: „Wie dieKälte des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein getreuer Botedem, der ihn gesandt hat, und erquickt seines Herren Seele"; 4
1 S. besonders die „Geschichten der Physik" von Poggendorff (Leipzig1879), Heller (Stuttgart 1882), und Rosenberger (Braunschweig 1882),Kopp, „Geschichte der Chemie" (Braunschweig 1842), und Beckmann, „Bei-träge zur Geschichte der Erfindungen" (Leipzig 1799, IV, S. 161).
„Schiking", übers, von Strauß (Heidelberg 1880, S.241 u. Vorr. 23).
„Pantschatantra", übers, von Fritze (Leipzig 1884, S. 160).
4 „Sprüche" 25, 13.