NATURWISSENSCHAFTL. AUS DER „CHRONOLOGIE U. S. IV. 99
in der Ebene das Vorhandensein von Wasser unterhalb ge-wisser Gesteine, ja angeblich durch Abklopfen sogar dessenMenge, zu erkennen verstehen; sie treiben Bohrlöcher, aus denendann das Wasser mit großer Gewalt hoch emporspringt, sodaß durch solche Ausbrüche schon Unglücksfälle entstandensind, falls es nicht gelang, die Bohrlöcher mit Gips oderKalk zu verstopfen. Das Aufsteigen des Wassers in diesenBrunnen 1 läßt sich ebenfalls auf Grund des oben erwähntenPrinzipes ableiten, und gehört daher keineswegs zu den Wun-dern: „Man muß also nicht gleich alles, was man von denphysikalischen Wissenschaften nicht versteht, bloß der WeisheitAllahs zuschieben, auch soll man seine eigene Unwissenheitnicht stets mit den Worten entschuldigen: Allah allein ist all-wissend." 2
Was die Wärme anbelangt, so kommt Albiruni nach Er-wähnung verschiedener Auslegungen aristotelischen Anklangeszum Schlüsse, sie stamme von der Sonne her und hafte ihrenStrahlen an. 3 Während Einige behaupteten, deren Fortpflanzungsei wegen ihrer unermeßlichen Geschwindigkeit und ihrer un-körperlichen Natur als völlig zeitlos (d. i. als momentan) anzu-sehen, lehren Andere, daß sie doch eine gewisse, jedoch eineäußerst kurze Zeit gebrauchen, um fortzuschreiten, die man nurdeshalb nicht genau anzugeben vermöge, weil es keine anderegenügend rasche Bewegung als brauchbaren Maßstab gebe.So ist z. B. die Geschwindigkeit des Schalles in der Luft nicht ent-fernt so groß wie die jener Strahlen, und durch Vergleich de rersteren dieser Geschwindigkeiten mit der zweiten hat man die un-
1 Die wir heute „artesische" nennen. 2 Nach E. Wiedemann be-
saßen die Araber eine besondere Wissenschaft „vom Heraufholen der Gewässer",
das, weil es die Bepflanzung sonst unbewohnbarer und wüster Ländereien
ermöglichte, alsein Allah besonders wohlgefälliges Werk galt; über die Hebung
des Wassers durch Räder, Schrauben und andere Maschinen sind verschiedene
ausführliche Werke erhalten, die sich anscheinend hauptsächlich auf das des
Philon gründen („Sitzungsberichte der physik.-medizin. Sozietät" Erlangen
1905; Bd. 37, S. 231 ff.). 9 S. 247.
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