98 NATURWISSENSCHAFTL. AUS DER „CHRONOLOGIE ü S. W.
schauung trachtete und zu"diesem Zwecke auch selbst zahlreicheProbleme durch Versuche aufzuklären bemüht war; so z. B. be-stimmte er zuerst das spezifische Gewicht von 18 Edelsteinenund Metallen durch Wägen in Luft und Wasser mit ganz er-staunlicher Genauigkeit. Überraschend richtig sind AlbirunisAnsichten betreffs vieler physikalischer und naturgeschichtlicherEinzelheiten, deren wichtigste im nachfolgenden kurz angeführtwerden sollen, und zwar auf Grund der von E. Sachau ver-faßten englischen Übersetzung der „Chronologie", die 1879 zuLondon erschienen ist.
Was den Ursprung der Quellen, Bäche und Flüsse betrifft, überden zum Teil noch bis gegen Ende des vorigen Jahrhundertsdie unklarsten und sonderbarsten Vorstellungen herrschten, soist es nach Albiruni^zweifellos, daß ihr Wasser ausschließlichmeteorischer Herkunft ist, d. h. aus Regen- oder Schneewasserbesteht, das je nach den Terrainverhältnissen entweder rein ab-fließt, oder den Untergrund durchströmt und dabei Stoffe aller Artaus diesem aufnehmen kann. Daß Quellen in gewisser Höhe ent-springen, ist nicht anders zu erklären als das Steigen des Wassersin den Springbrunnen, sowie in den auf die Schloßdächer undMinarete geführten Leitungen, nämlich allein dadurch, daßgenügende, noch höher gelegene Speisebehälter vorhanden sind;abgesehen von den Leitungswiderständen kann man das Wasserstets wieder bis zur ursprünglichen Höhe dieser Behälter steigenmachen, und wäre diese auch noch so groß. Taucht man einmit Wasser gefülltes U-Rohr in umgekehrter Lage derart inzwei mit Wasser gefüllte Gefäße, daß sich jeder Schenkel ineinem der Gefäße eingesenkt befindet, so tritt keine Bewegungein, so lange beide Gefäße gleich hoch stehen; sowie aber daseine gesenkt wird, fließt Wasser aus dem Rohre aus, entwederbis die Oberflächen wieder gleich hoch stehen, oder bis das Rohrund das andere Gefäß geleert sind. In manchen Gegenden,z. B. in Jemen, gibt es Leute, die sowohl im Gebirge, als auch■ 1 S. 253 ff.