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[1] (1906)
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CHEMISCHE KENNTNISSE VOR TAUSEND JAHREN 95

anfangs, wie andere seiner kühnen Neuerungen so auch diese,von der am Hergebrachten hängenden konservativen Schuleverworfen worden sei. Über dieKräfte" des Weines ausTrauben, des Obstweines und des Weines aus Honig, Rosinenoder Dattelsaft, weiß zwar Mansur vielerlei zu berichten, unddie Folgen übermäßiger Libationen sehr lebenswahr zu schil-dern, aber den eigentlich wirksamen Bestandteil des Weineserwähnt er nicht, sondern spricht nur sehr allgemein von einem»Weindunste", der durch die Blutgefäße ins Gehirn aufsteigenund dieses in übermäßiger Weise erhitzen soll. Eine weitschlechtere Meinung als vom Weine hat Mansur von demaus Gerste gebrauten Biere, in dessen Bereitung seit altershernamentlich einige ägyptische Städte Großes leisteten, so daßz.B. dasPelusische" ungefähr ebenso berühmt war wie heut-zutage dasMünchener"; er behauptet, daß das Bier die Ver-dauung störe, den Nerven schade, den Kopf einnehme, Übel-keiten und Leibschmerzen errege u. s. f., daß es aber dem (wohldurch allzu reichlichen Weingenuß entstandenen) Katzenjammerabhelfe, eine Ansicht, die noch gegenwärtig von manchemSachverständigen geteilt wird!

Hervorzuheben ist ferner, daß Mansur nur den Essig unddie früher erwähnten sauren Pflanzensäfte kennt, nicht abermineralische Säuren, was sich schwer mit der Behauptungvereinbaren läßt, daß der berühmte Geber schon um dieMitte des 8. Jahrhunderts mit diesen genau vertraut gewesensei und sie in verschiedenen seiner Werke ausführlich be-schrieben habe. Aber bereits vor über dreißig Jahren wurdedurch sachkundige Orientalisten, namentlich durch den viel-belesenen Steinschneider, darauf hingewiesen, daß Gebereine nahezu mythische Persönlichkeit vorstelle, und daß dieerhaltenen arabischen Originalschriften, als deren Verfasser erallenfalls gelten kann, nichts von allen den erstaunlichen Kennt-nissen enthalten, die die angeblichen lateinischen Übersetzungen(in Wahrheit durchaus Machwerke des späteren Mittelalters)