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[1] (1906)
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ZUR GESCHICHTE DES GLASES IM ALTERTUMS

und von der Entscheidung des Kaisers Tiberius muß übrigensseit jeher weiten Kreisen ein ganz besonderes Interesse ein-geflößt haben, denn sie zieht sich fast anderthalb Jahrtausendelang durch die Literatur hin, von Dio Cassius, Pliniusund Petronius über Isidorus von Sevilla, Damianus,Johannes von Salesbury, Bartholomäus Anglicus u. s.w.bis zu Agrippa von Nettesheim, Sebastian Franck undPauli. Sie findet sich auch in dem vermutlich gegen 1300entstandenen SammelbucheGesta Romanorum", 1 einemder für die Sichtung und weitere Verbreitung von Erzählungenund Fabeln mannigfacher Herkunft wichtigsten Werke des Mittel-alters, und der gelehrte Herausgeber, Oesterley, zählt nichtweniger als sechzehn verschiedene Quellen für sie auf. 2 DieGesta Romanorum" selbst bringen die Erzählung unter demTitelDe invidia" (vom Neide), und lassen ihr, nach Hinweisauf die anfängliche gute Regierung des Tiberius, nachstehende,für den mittelalterlichen Geist höchst charakteristischeMorali-satio" folgen:Ihr Lieben, dieser Tiberius bedeutet gewisseKlosterleute und dergl., die, bevor sie zu Würden und Reich-tümern kommen, ziemlich einfach und genügsam sind, nachheraber das gerade Gegenteil offenbaren, daher denn das Sprichwortsagt:Glück ändert die Sitten", und der Psalmist:Glück undrechter Sinn verträgt sich selten". Der Glaskünstler aber bedeutetden Armen, der dem Reichen Geschenke bringt: gefallen siediesem aber nicht, so wirft er sie weg, will sie nicht wieder-nehmen, gerät gegen jenen in Wut, mißhandelt ihn, oder tötetihn gar."

1Gesta Romanorum", ed. Oesterley (Berlin 1872, S. 342; Kap. 44).2 Ebenda, S. 719.