DIE CHEMISCHEN KENNTNISSE DES DIOSKORIDES 73
hunderte n. Chr. an zu einem charakteristischen System zu ge-stalten begannen; unzutreffend ist namentlich die von Berthelotaufgestellte, jedoch später von ihm selbst als irrtümlich undübereilt anerkannte Behauptung, schon Dioskorides habe dasQuecksilber als einen Grundbestandteil sämtlicher Metalle be-trachtet; an der betreffenden Stelle 1 liest man zwar, Quecksilberfinde sich ev y,srälloig, doch heißt dies nicht „in den Metallen",sondern „in den Bergwerken". Das Wort Metall entstammtnach Lenormant der Sprache der Sumerer, der Urbewohnerdes babylonischen Tieflandes, und bedeutet ursprünglich „hacken",„graben"; als Fremdwort diesen Sinnes ging es in die indo-germanischen Sprachen über, und im Armenischen heißt „Me-talk" noch jetzt eine Grube, ebenso wie einst im Griechischen.
Wenn diese kurze Darlegung der chemischen Kenntnisseeines der bedeutsamsten und einflußreichsten Schriftsteller desausgehenden Altertumes irgendwie dazu beigetragen hat, dasin den Kreisen unseres Faches im ganzen immer noch argdarniederliegende historische Interesse anzuregen, so ist ihrZweck erfüllt. Tiefe Wahrheit liegt in dem Ausspruche Ko-berts, eines unserer ersten Meister der Medico-Historie: „Nichtszeugt so sehr von der Unfertigkeit einer Wissenschaft, als wennsie glaubt, aus der Geschichte ihrer Disziplin nichts mehr lernenzu können."
1 5, 110.