Druckschrift 
[1] (1906)
Entstehung
Seite
50
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

50 DIE CHEMISCHEN KENNTNISSE DES DIOSKOR1DES

I. Metalloide.

Von Metalloiden, die in freiem Zustande vorkommen, wirdnur der Schwefel erwähnt. Der beste ist der noch nicht um-geschmolzene ftstov awupov, den z. B. die vulkanischen InselnLipara und Melos als gelbe, glänzende, durchsichtige Masseliefern; 1 diesernatürliche Schwefel" ist schon an sich ein treff-liches Heilmittel und gibt, angezündet, einen kräftigen, als Räucher-mittel sehr geeigneten Dunst (die schweflige Säure); außerdemwird er aber, innerlich und äußerlich, auch in Verbindung mitzahlreichen anderen Substanzen angewandt, z. B. mit Pech, 2Natron, 3 Essig, 4 Asphalt, 5 Harz oder Terpentin, 6 sowie allerleiPflanzensäften. 7

II. Die Schwermetalle und ihre Verbindungen.

Das Gold ist außerordentlich feiner Verteilung fähig; esläßt sich zu äußerst dünnen Blättchen schlagen 8 und dient inForm lockeren Schabseis als Gegengift für Quecksilber. 9 EineLötsubstanz für Gold soll aus Urin und einer Kupferverbindungbereitet werden, 10 dem Grünspan; gemeint ist hier jedenfalls dersogenanntenatürliche Grünspan", d. i. Malachit oder ein ihmnahestehendes Kupferkarbonat, aus dem beim Schmelzen mitKohle metallisches Kupfer abgeschieden wird (siehe unten).

Quecksilber stellt man hauptsächlich aus Zinnober dar,einer kostbaren Malerfarbe, die weder mit Mennige identischist, wie manche meinen, noch mit dem sogenannten Drachen-blute (einem indischen Harze), wie andere glauben, sondernals Mineral in gewissen Gruben vorkommt; es geht von ihmein erstickender Hauch aus, weshalb die bei der Verarbeitungbeschäftigten Leute sich durchsichtige Blasen vor das Gesichtbinden. 11

1 5, 123. 2 1, 94. 8 2, 208; 5, 123. 4 2, 122; 4, 29 u. 76;5, 21 u. 123. 6 3, 9. 6 5, 123. 7 4, 154. 8 5, 91. 9 5, 110.10 2, 99. 11 5, 109.