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[1] (1906)
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DIE CHEMISCHEN KENNTNISSE DES DIOSKOR1DES 49

und Fortwirkung fast jede seiner Ansichten irgend eine Spurin der Geschichte der Wissenschaft zurückgelassen hat. Indieser Hinsicht ist es auch von Wichtigkeit, daß Dioskorides,im Gegensätze zu Plinius, keinerlei dogmatische Neigungenbesitzt. Er beurteilt und ordnet zwar die Heilmittel nicht seltennach den vier Hauptqualitätenkalt, warm, feucht, trocken", gehtaber auf die entsprechenden theoretischen Anschauungen niemalsweiter ein; selbst von denvier Elementen" als solchen istnirgends die Rede, und nur ganz vereinzelt wird berichtet, daßdieLuft" erhärtend auf die ursprünglich weiche Koralle wirke, 1daß dasFeuer" eine heftige Verwandtschaft zum Erdöl habe 2und entgegen der törichten Volksmeinung auch den Salamanderverzehre, 3 und daß dasWasser" in reinster Form als klares,süßes, besonderer Eigenschaften entbehrendes, zu vielen feinenPräparaten allein anwendbares Regenwasser auftrete, 4 sonst aber,je nach der Gegend und ihrer Eigenart, mancherlei, oft schwerzu beurteilende Beschaffenheit zeige. 5

Im folgenden soll nun, was an chemischen Kenntnissenaus derMateria medica" des Dioskorides zu schöpfen ist,im Zusammenhange dargelegt werden. Alles Irrtümliche oderFalsche jedesmal ausdrücklich hervorzuheben, schien um soweniger nötig, als Dioskorides, wie der Zusammenhang seinesWerkes ersehen läßt, nicht alles Unrichtige, das er anführt, auchstets selbst glaubte. Absolute Vollständigkeit ist nicht erstrebtworden; namentlich blieben viele allzu dunkle, oder nur indirektaus der pharmakologischen und pharmakognostischen Syste-matik zu erschließenden Andeutungen außer Betracht, fernerwurde nicht auf die spezifisch medizinischen und therapeutischenGebrauchsanweisungen eingegangen, und endlich fanden nurdie fünf Bücher derArzneimittellehre" Berücksichtigung, nichtaber einige weitere, dem Dioskorides zugeschriebene Abhand-lungen, da ihm die neuere Kritik diese mit stets wachsenderBestimmtheit abspricht.

1 5, 138. 2 1, 101. 3 2, 67. 4 1, 151 u. 180; 2, 87. 6 5, 18.

v. Lippmann, Beiträge. 4