48 DIE CHEMISCHEN KENNTNISSE DES DIOSKOR1DES
gründlich kennen lernte. Auf Grund reicher persönlicher Er-fahrungen und von Jugend auf betriebener Studien verfaßte erin griechischer Sprache die fünf Bücher seiner „Arzneimittellehre",eine Beschreibung von mehr als fünfhundert der gebräuch-lichsten Heilmittel aus allen drei Naturreichen, also kein encyklo-pädisches, sondern ein Spezialwerk vorwiegend botanischen,pharmakologischen, pharmakotherapeutischen und auch pharma-kognostischen Inhaltes; nicht nur der Reichhaltigkeit, der weit-gehenden Benutzung älterer und neuerer Quellen, der Berück-sichtigung volkstümlicher Synonyma, und der klaren und knappenDarstellung, sondern vor allem auch seiner bestimmten, obgleichnoch unvollkommenen Systematik, hatte es seinen fast einzigdastehenden Erfolg zu verdanken: länger als anderthalbJahrtausende übte es eine Art Alleinherrschaft auf seinemGebiete aus und galt den spätgriechischen, byzantinischen,syrischen, arabischen und mittelalterlichen Gelehrten als einabsolut vollkommenes und vollständiges, über jede Kritik er-habenes Kompendium, das nur der Deutung und Kommen-tierung, nicht der Verbesserung oder Ergänzung zugänglichsei, — ja im Orient dauert dieser hohe Ruf noch heute un-vermindert fort!
Der geschilderten Tendenz gemäß, ist das Werk des Dios-korides an chemischen Tatsachen ärmer als das des Plinius,denn in erster Linie steht dem Verfasser stets die medizinischeAnwendung: er beschreibt vor allem die nützlichen oder schäd-lichen Einwirkungen der Mittel bei inneren oder äußeren Krank-heiten, wobei das Vorurteil, und, — wie Kobert schon Vorjahrennachwies —, der Glaube an Sympathie eine bedeutende Rollespielt; alle übrigen Beziehungen aber ergeben sich zumeist nurnebenher und finden sich an den verschiedensten Stellen desumfangreichen Buches verstreut. Dennoch lohnt es sich inhohem Grade, sie zusammenzufassen, sowohl weil Dioskoridesin einer der merkwürdigsten Übergangsperioden lebte undschrieb, als auch, weil infolge seiner überragenden Bedeutung