Zwiebel, 221
und Juden war sie eine beliebte Nationalspeise undauch jetzt werden die Zwiebeln in Egypten noch in sehrvielen Arten gebaut. In Süddeutschland dient sie, geröstetund mit Brot genossen, als wirkliche Mahlzeit, währendsie in Norddeutschland meist nur als Speisegewürz be-nutzt wird. Die Zwiebel ist schärfer von Geruch undGeschmack als der Knoblauch und Porrey und verdanktdiese Eigenschaft dem ätherischen, scharfen Oele, welchesihr Saft neben etwas Zuckerstoff enthält, und der be-kanntlich die Augen zu Tränen reizt und die Hautbei längerer Einwirkung rötet. Der reichliche Genußvon Zwiebeln bewirkt eine übelriechende Ausdünstungund einen unangenehmen Atem. Als Speise ist dieZwiebel indessen sehr nahrhaft, weil sie Stickstoff ent-hält ; beim Rösten und Kochen verliert sie mit dem ent-weichenden ätherischen Oele auch ihre Schärfe.
Anwendung: Arzneilich benutzt man die Zwiebel(Lnlbus OkMs) als äußeres Reizmittel, entwederum einen Hautreiz hervorzubringen, oder als Bei-mischung zu warmen Umschlägen, auch wird sie, zer-quetscht und mit heißem Wasser zum Breie angerührt,bei Blutgeschwüren oder Abscessen angewendet, um die-selben in der Eiterung zu fördern. Desgleichen findet sieals Riechmittel bei Ohnmachten undKrämpfen hysterischerFrauen Verwendung. Bei Nasenbluten wird sie inden Nacken gelegt. Bei Harnverhaltung kleiner Kinderlegt man sie gebraten auf den Schamhügel. Der aus-gepreßte Sast mit Zucker versetzt, wird bei Wassersuchtoder veraltetem Brustkatarrh täglich zu IS bis 45 ^angewendet. Schließlich wird die Zwiebel auch nochzu ableitenden Klystieren (eine Zwiebel mit Wasser oderMilch leicht abgekocht) benutzt.