M.
Des klugen und Reckes - verständigen Haus - Vatters
Das XjU. Zapitel.
Bon Verwahrung wider den BetrugderSciden-Arbeiter.
Jnnhalt.
L. i. Fortgang, etwas von SeidemZeug zu melden. H>.2 Wcl«cheSdiebesteSeid-n/wie man >ic sondern soll. §. Z. Be»trug der Seiden.
F. i.
Oviel hatten wir bißhsr vor der Seiden-Wurm Arbeit / und der MenschenPflege für dicken rüvtziichzu erinuc'U.Nun aber müsie d!s S.'ide dcnen Sei-den s Händler u zur ftrnen? ^ ebandiungeingehändiget / und / wa^ sie cm Un-terweisung bedürffren / sollten selbige von Ve 5 -ndVerarbeitung derselben zu allerhand Z eigen/ un" andernkssnuli,6turen angewiesen werden: Allem/gl-uchwiewirhier nur dem allgemeinen Haus-Vatter zu gefallen schrei-den: also werden wir uns genügen / wann er zü semcrNachricht bey uns finden kan / was ihm (so ju stlgen)in seinen Kram taugt. Im übrigen wird er sich vonuns in den psrtair KeAcirisnt des Herrn Iscquez 8sva-rx oder andere gute Handels-Bücher weisen / und unsdie Erlaubnus lassen/daß wir/ihm zu gut/ die unterschied-liche Betrüge / womit man/ in Ansehung der Seiden an-geführt werden kan/aus der Frantzösischen Ldirioo.er-meldeten ^uÄoris zu Paris, in quarro p. 24. (welches diebeste ist) in das Teutsche übersetzen.
§. 2. Nachdem selbiger ^uÄor im 46. Capitel desandern Theils gemeldet/ daß die beste Seide/ zu denenglatten Zeugen / die hon KIcKn». aus dieser eigentlichenUrsache/sey: weil sie daselbst an der Farbe wohl gerathen.Unter weichen das Schwartze / wegen des Glantzes denVorzug / und dieses Lob hat / dak gar wenig Abgangdavon komme / wann sie sonsten / wie gewöhnlich seynsoll/ ist : dann dorten leidet man die Vermischung mitgeringerer nicht. Nachdem er beygebracht / wie dieaus ^nen kommende Seide / welche sie Seiden vonI.uZes,(^Kout, Liliecjon nennen / sehr schön sey : Undso gut als die aus Werken und l'lckins kommt: welchedann weiß und sehr sein. Man bringe / spricht er/ auchaus Welschland Seide; aber sie sey nicht so schön/wannman die Bologneser Seide/ davon ausnimmt/ welchejener wenig nachzugeben hat. Nachdem er über das zuerinnern nicht vergessen / daß man einen Unterscheid/ un-ter guten und schlimmen Zeug-Arbeitern oder Wirckern/zu machen habe: Damit man wisse/ welche diejenigenseyen/die abgerissene Faden wieder zusammen zu knüpftennachlassig erfunden werden. Dann diese Faulentzer ver-ursachen Striche durch das gantze Stück durch. Wannsie auch nicht gleich schlagen / so wird der Zeug an einemOrt dicht / am ändert, lampicht und locker. Und dochist sehr viel / daß er gleich sey / daran gelegen. Am mein-sten darss man dieses saaen / wann der Zeug glatt ? I:dann an diesem sind alle Mängel mit halb offenen ^wacngar leicht zu erkennen. Nach dem er endlich m ne r /daß etliche Seide nur zu glantzendenTaffet / und hinge-gen für Hrmoilin nicht dienlich sey : Andere sch len sichzu ^abin, oder / wie es die Teutschen nennen,die zum Plisch und Gantz-Samet nichts taugen : deßwe«gen müsse man das feine und grobe voneinander sondern.Auch in einem Ballm Seidenvon einer Art/ ist eins gros-se Ungleichheit. Wann man nun so wohl die grobe/ als
die feinere Teide/ aus einem Ballen / zu einerley Sei-«den-^tück oder Zeug brauchte / so würde das gantzeStück durch und durch / auch im Weben / mig eick wer-den. Man muß aber diese Aussuchung tdun / ehe manmit der Seide zum Farber eiler. Auch bey dem Spinnen/n.nß man d-e Spinnerinnen / und nach deren Beschaffen-heit/die Seiden unterscheiden: Dann es dreyer immereins besser und feiner / alb die andere. Sonderlich hatman denen/welche die Seiden spuhlcn/wekl einzubinden/daß sie sich keines Oels noch andern Fettes bedienen:Dann sie pflegen es sonsten dcßwegm zugetrauten / da-mit sie desto ehe fertig werden. Im Sicdm muß das ineinem Kessel gefärbt werden / was man zu cmemSrückzu gebrauchen willens ist; ausser diesem würde der Sei-den-Zeug gleichsam Furchen und Wechsel-weiß abge-schossene oder hellere Streift bekommen.
§. z. Nachdem er nun dieses vorangesetzet/so wei-set er endlich zehnerley Griffe / vor welchen man sich /bey der Sciden-KlanutsÄur, in Acht zunehmen habe.Die erste Betrügerey gehet für / wann die KauPeutedie Seiden einpacken lassen: dann sie psrriren und schie-ben schlecht und übelbeschaffene Seide unter die gute:welches dann bißweilcn mehr als hundert RcichsthalerSchaden bey einem einigen Ballen Seiden verursachenkan: wann man nur aus den Abgang / welcher sich imAufwinden aufdie Spulen befindet / :c. Rechnung ma>chen mag. Der andere Betrug geschiehet/ wann sie sogern in feuchten Wetter packen; oder wann sie diesesja in hitz'g und truckenen Tagen fürnehmen müssen / sospritzen sie zimlich Wasser/ an die Seide. Wer sie aberhernach auspacken/und die Seide etliche Tag an der Lufftlassen muß / der wird sich wundern / warum er 8.biß i c>.Pfund Gewicht weniger / als er soll/ habe. Der vrieceBetrug ist denen die abspulen oder hageln zuzuschreiben:Dann wann die k^snutsciurier!. ihnen die Seide gelie-fert / daß sie dieselbige auf ine Spnlen winden; so gebensie schwerere wieder/ als sie solche empfangen. Ast aberder KKnutnAurier so klug / daß er ihnen die Spuhlenmit Zeichen bemercket;so wissen sie dieselbe schon gewich-tiger damit zu machen / wann sie selbe in das Wassertuncken. Die Weiber aber welche Spuhlen/ thun alteLumpen und Fäden / welche hernach mit der Seide be-decket werden / auf die Spuhlen. Es gibt noch anderesolcheKünstlerinnen/welchedieSeide mit Eyer^ Dottern/Zucker/Saltz/ Milch / Urin / mit geriebener Silber-Glätte und andern Inzreriienrien / welche sie auf dieSpuhlen winden / schwerer machen. Damit / wanndie Seide auf andere Spuhlen ab / und übergewundenw'.rd / sie dennoch das Gewicht / ohne Argwohn/ daß siewas davon toll gemacht / liefern können. Offt geschichtesauch/daß dieWuck-Gesellen/ wann sie Seiden-Ab-gang baben / mit denen Spulerinnen in ein Horn / wideri'en ^2nut,Zvrier / blasen : Zu dem Ende kauffcn sievon denen Spul-Weibern die gute Seide / um den ge-rinasten Preiß: gck>en ihnen die Abgange oder Flockendargegen: damit sie selbige an starr der verkauften tbun/und dem Xl^uisÄurie^der sie ibnen zu spublen gegeben/zustellen möaen Au ibe? Entschuldiguna sagen sie / di?Seide hy gefnttert/ und nbel ton6irwni''t gewesen. Alsowird man schändlich betrogen- Die Seiden Kullerbringen den Vierten Betrug an. Diesen wird die Seide/
nach-