Druckschrift 
2 (1896) Die Choristopetalen. 1
Entstehung
Seite
121
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

121

Anmerkung. Die Cocapflanze ist ein sehr variabeles Gewächs, dessen Varietäten man neuerdings als eigene Artenzu betrachten geneigt ist. Die von uns beschriebene, nicht selten in botanischen Gärten cultivirte*), ist die Neu-GranadaCoca, Erythroxylon Coca Lam. var. Novo-granatensis Morris, welche neuerdings Hieronymus als besondere Art beschriebenhat. Die bolivianische Yungas-Coca, welche besonders reich an Cocain sein soll und als der Typus betrachtet wird, hatgrössere Blätter und die reichblüthigen Büschel der Blüthen stehen an Kurztrieben, welche mit zahlreichen nebenblatt-ähnlichen Knospenschuppen bekleidet sind; die Bliithenstiele sind auch kürzer.

Die Cocapflanze ist in verschiedenen Varietäten verbreitet von Bolivia bis Neu-Granada; wird aberbeute nicht blos in der Heimath, sondern auch in Brasilien, Paraguay und Argentinien, zum Theil in gross-artigstem Maassstab cultivirt, so dass die jährliche Ausbeute 40 Mill. Pfund sicher übersteigt; auch in dentropischen Berggegenden der alten Welt sind Versuche, sie zu cultiviren, gemacht worden.

Aus den Blättern, welche einem grossen Theile der südamerikanischen Bevölkerung als täglichesGenussmittel dieneD, wird das Alkoloid Cocain dargestellt. Cocäinum hydrochloricum hat in das Arznei-buch Aufnahme gefunden.

Erklärung der Abbildungen.

Fig.

A.

Fig.

AI

Fig.

B.

Fig.

C.

Fig.

D.

Ein Zweig der blühenden Pflanze nach einem Exem-plare, das im königl. botanischen Garten zu Berlincultivirt war.

Die Blüthenknospe, 5mal vergrüssert.

Die Blüthe, 5mal vergrössert, die langgrifflige Form.Das Blumenblatt, 8mal vergrössert mit dem binnen-seitigen Anhang.

Die Blüthe, 8mal vergrössert nach Entfernung derBlumenblätter, um die Staubgefässröhre zu zeigen.

Fig. E. Dieselbe im Längsschnitte.

Fig. F. Das Staubgefäss, 12 mal vergrössert, von innengesehen.

Fig. G. Der Stempel, 8mal vergrössert.

Fig. H. Der Fruchtknoten im Querschnitte mit dem einen

fruchtbaren und den 2 unfruchtbaren Fächern.Fig. I. Die Frucht, etwas über natürliche Grösse.

Fig. K. Dieselbe im Querschnitte.

*) Wir haben in der Cultur der botanischen Gärten nur die langgrifflige Form angetroffen; von Herrn Consul Leh-mann in Neu-Granada eingesandt lag uns aber auch die kurzgrifflige Form vor. Seiner Angabe zufolge wird diese Cocadurch das ganze Land in grossem Maassstabe angebaut.

Berg u. Schmidt, Officinelle Gewächse, II.

16