Chamomilla.
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Kamillen durch Destillation mittelst Wasserdampfes dargestellt. Hierbei hatman darauf zu achten, dass den Kamillenblumeu nicht zuviel Stengel undBlätter beigemischt sind, durch welche das Oel einen grünlichen Farbenton erhält.Wegen der Dickflüssigkeit des Kamillenöls darf das Kühlwasser nicht zu kaltsein, auch hängt es sich in kleinen Tröpfchen an die Wandungen der gläsernenVorlagen, wodurch die Ausbeute sehr beeinträchtigt wird. In blanken Weiss-blechflaschen oder polirten Zinngefässen soll dies weniger der Fall sein. Dasflüchtige Oel, welches das Wasser aus der Destillation gelöst enthält, ist nichtblau, sondern blassgelb. Nur das obenauf schwimmende blaue Oel wird ge-sammelt und in kleinen, gut verkorkten, mit feuchter Blase tectirten und mitdunkelem Papiere umhüllten Fläsehchen aufbewahrt. Zweckmässig ist eineAufbewahrung unter Wasser, welches 25 Proc. Glycerin enthält. TrockneKamillenblumen geben circa 0,125 Proc. Oel. Auch alte Kamillen sindergiebig.
Eigenschaften. Das reine ätherische Kamillenöl ist dunkelblau, undurch-sichtig, dickflüssig, bei niederer Temperatur von Butterconsistenz. Der Ge-schmack ist aromatisch bitter, der Geruch den Kamillen entsprechend. Dasspec. Gew. bewegt sich zwischen 0,92 — 0,94. Das Oel reagirt nicht sauerund ist in 7 bis 10 Th. 90proc. Weingeist mit blauer Farbe löslich. Beinicht sorgfältiger Aufbewahrung und besonders unter Lichteinfluss wird esgrünlichbraun oder braun, wird es dann über nicht zu alte Kamillen (undWasser) destillirt, so gewinnt man es wieder von blauer Farbe. Die Gütedes reinen Kamillenöls ergiebt sich aus der Farbe, der Consistenz und durchdie völlige Verflüchtigung beim Erwärmen. Es besteht aus zwei Oelen vonder Zusammensetzung C 2,l H 16 0 4 und C 20 H 1C , letzteres von Citronengeruch. Denblaufärbenden Stoff im Kamillenöle nennt Piesse Azulen. Altes braunesOel enthält Angelikasäure und reagirt sauer. Wird das Oel mit einer wein-geistigen Kalilösung gekocht, so bildet sich valeriansaures Kali. Mit demätherischen Galbanumöl hat das Kamillenöl nur die Farbe gemein, sonst sindsie nicht identisch.
Anwendung. Wegen seines hohen Preises kommt das Kamillenöl höchstselten und nur in besonderen Fällen in Anwendung. Es gilt als Antispasticum.Man giebt es mit Tincturen gemischt oder als Elaeosaccharum oder auf RotulaeSacchari zu 0,05 — 0,1 (oder 2 — 4 Tropfen) einige Male des Tages.
(IIcum Chamomillae citratum galt früher als ein billiger Ersatz desätherischen Kamillenöls. Es wird durch Destillation aus 1000 Th. trocknerKamillen, welche mit 2 Th. Citronenöl (oder aus 6000 Th. frischerKamillen, welche mit 3 Th. Citronenöl) und der genügenden Menge Wasserübergössen sind, dargestellt. Das gesammelte Oel enthält circa 33,3 Proc.Kamillenöl. Es muss in gleicher Weise, wie das reine Kamillenöl aufbewahrtwerden und lässt sich auch durch Destillation über frische Kamillen wiederumblau machen, wofern es diese Farbe während der Aufbewahrung eingebüssthätte. Es muss blau und dünnflüssig sein. Es gilt als Antispasticum undCarminativum. Dosis 0,1—0,2 (4—8 Tropfen).
Oleum Clinmomillae infusum, Oleum Cliauioinillae coctnm, gekochtes kamil-lenöl, Kamillenöl des Handverkaufs, 100 Th. (getrocknete) Kamillen werdenmit 50 Th. Weingeist durchfeuchtet in einem geschlossenen Gefäss einigeStunden bei Seite gestellt und dann nach Zusatz von 1000 Th. bestem