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1 (1876)
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Chamomilla.

Einsammlung. Aufbewahrung. Die Blttthezeit der Feldkamille ist Juniund Juli, zu welcher Zeit die Blüthenköpfchen fast frei von Stielen gesammeltund in dünner Schicht ausgestreut an der Luft möglichst schnell getrocknetwerden. 4 5 Theile frische Blüthenköpfchen geben 1 Th. trockne. Es istbesonders zu beachten, dass die Kamillen nur während sonnigen Wetters ge-sammelt werden dürfen, dass die frischen, in einen Haufen zusammengeschüttetenKamillen sich erhitzen und in Gährung übergehen. Desshalb sind sie nachdem Einsammeln alsbald dünn zum Trocknen auszustreuen. Sie enthalten über-haupt Stoffe, welche eine grosse Neigung zum Gähren haben. Die trocknenKamillen ziehen in feuchter Luft stark Feuchtigkeit an. Man muss sie beitrocknem Wetter und auch gut ausgetrocknet in den Vorrathskästen ohneeinzudrücken unterbringen. Am besten conserviren sie sich in dicht ge-schlossenen Weissblechgefässen. Sollte die Witterung eine feuchte sein, so istes gerathen, ein Zimmer zu heizen, darin die Kamillen noch einen Tag zutrocknen und sie dann an dieser Stelle in die Vorrathsgefässe einzuschichten.

Nach Witstein kommen auch geschwefelte Kamillen in den Handel.

Bestandtheile. Hekberger fand in 100 Th. trocknen Kamillenblumen:braunen, durch Bleisalz fällbaren Extractivstoff 7,4, Harz 5,9, seifenartigenExtractivstoff 5, Gummi 6,3, Bitterstoff und Spuren Gerbstoff 2,9, äpfelsaurenKalk und Kali mit Zucker- und Eiweisstoff 2,2, phosphorsauren Kalk 1,Wachs 0,8, Fett 0,5, dickliges flüchtiges Oel von blauer Farbe 0,9, Chloro-phyll 0,4, Faserstoff und Verlust 64,7. Die wirksamen Bestandtheile sinddas flüchtige Oel, Harz und der Extractivstoff. Letzterer erzeugt mit sehrvielen Metalllösungen Niederschläge.

Anwendung. Die Kamillenblumen, von jeher ein Volksarzneimittel, wer-den innerlich im Aufguss zu 2,010,0 Gm. als magenstärkendes, blähungs-treibendes, krampfstillendes, gelind reizendes, schweisstreibendes Mittel gebraucht,auch äusserlich dienen sie als krampfstillendes, schmerzlinderndes, erweichendesMittel, in trocknen und nassen Umschlägen oder im warmen Aufguss.

Alte verlegene Waare in Pulver verwandelt mischen die Kaufleute häufigdem Persischen Insektenpulver bei. Das Pulver der Blüthenköpfchen derAnthemis Cotula scheint ein Gift für kleine Insekten zu sein.

Aqua Chamomillae, Kamillenwasser.1 Th. gemeinen Kamillen oder eincentrirtem Kamil lenwass er und 9

10 Th. wässriges Destillat ausGemisch ex tempore aus 1 Th. con-Th. destillirtem Wasser.

Aqua Chamo millae concentrata. 100 Th. wässriges Destillataus 10 Th. gemeinen Kamillen werden mit 2 Th. Weingeist versetzt undnun von dieser Mischung 10 Th. abdestillirt. Wird in dicht geschlossenerFlasche an einem kühlen und schattigen Orte aufbewahrt.

Extraetum Chamomillae, Kamillenextract. 1 Th. gemeine Kamillenw ird zweimal, das erste Mal mit 8 Th., das andere Mal mit 4 Th. 45pro-centigem Weingeist durch je 24stündige Digestion extrahirt. Die durchAuspressen gesammelten und filtrirten Colaturen werden in ein dickes Extractverwandelt. Ausbeute 22 25 Procent.

Oleum Chamomillae aethereuui, Oleum Chamomillae purum (s. simples),

ätherisches Kamillenöl, wird aus den frischen und auch aus den getrockneten