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1 (1876)
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544
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Ballota.

Herba Ballotae lanatae, wolliger Wolfstrapp, wolliges Ballotenkraiit , das

getrocknete Kraut mit viereckigem wolligem Stengel, gegenständigen lang ge-stielten, im Umfange rundlichen, 4 5 Ctm. langen und breiten, auf der oberenFläche dunkelgrünen, kurz behaarten, auf der unteren dicht weissfilzigen, band-förmig geschlitzten Blättern mit linienförmigen Lappen, mit dichten axelstän-digen, aus 1013 grossen Blüthen bestehenden Wirtein mit wolligem özäh-nigem Kelche. Die Blüthen sind von kurzen pfriemenförmigen Bracteen unter-stützt. Die Oberlippe der Blumenkrone ist ausserhalb filzig. Der Geschmackist schwach bitter, etwas schleimig, der Geruch schwach und heuartig.

Einsammlung. Aufbewahrung. Der wollige Wolfstrapp wird eingesammeltbei beginnendem Aufblühen untf an der Luft getrocknet. Er wird nur ge-schnitten vorräthig gehalten. 4 Th. frisches Kraut geben 1 Th. trocknes.

Verfälschungen. Als solche werden angegeben das Kraut von Stachyslanata, Stachys Germanica und Marrubium vulgare , welche aber keine ge-theilte Blätter haben, und Ballota vulgaris und Leonurus Cardiaea , derenBlätter nicht mit einem weissen Filze bedeckt sind.

Bestandteile. Neben den gewöhnlichen Bestandtheilen fand Bley 0,2Proc. eines strarren flüchtigen Oeles, bitteren Extraktivstoff, freie Aepfelsäure.Orcesi fand Gerbstoff, ein bitteres aromatisches Resinoi'd (Picroballotin), grünewachsartige Substanz etc.

Anwendung. Der wollige Wolfstrapp ist in seinem Vaterlande ein beliebtesHausmittel bei Wassersucht, Rheumatismus, Gicht, Asthma. Der bei uns inGärten gezogene soll so gut wie wirkungslos sein. Dosis 1,5 2,0 3,0 vier-bis fünfmal täglich im Aufguss. Dieses Kraut ist gänzlich in Vergessenheitgerathen.

II. Ballota nigra Linn., Ballota foetida Lamaeck , gemeine Bailote,schwarzer Andorn, eine an Wegen und Hecken häufige Labiate aus der Gruppeder Stachydeen. Sie findet man in mehreren Varietäten, z. B. mit scharf undmit stumpfgesägten Blättern, mit kurz und mit lang begrannten Kelchzähnen.

Herba Ballotae, Herba Jlarrubii nigri s. foetidi, schwarzer Andorn. Das

blühende getrocknete Kraut. Stengel und Blätter weich behaart, Blätter ge-stielt, eirund oder herzförmig, grob gezähnt. Blüthen in axelständigen Büschelnmit linealischen Bracteen. Die circa 1 Ctm. langen Kelche sind lOrippig,mit 5 breit eirunden stachelspitzen Zähnen. Die Oberlippe der Blüthe istkürzer als die dreilappige Unterlippe. Der Geruch ist widerlich, der Ge-schmack sehr bitter, etwas herb und aromatisch.

Einsammlung und Aufbewahrung. Das blühende Kraut wird im Juni undJuli gesammelt und geschnitten und als grobes Pulver in Blechgefässen auf-bewahrt. 4 Th. frisches Kraut geben 1 Th. trocknes.

Anwendung. Der schwarze Andorn galt in alter Zeit als Antispasmo-dicum und Vermifugum. Heute fordert es hier und da der Landmann als