Aurantium.
529
geringerer Sorten ist nur durch Geruch und Geschmack zu erkennen. Zudiesem Zwecke giebt man in eine kleine Flasche 3 Tropfen Oel und 10,0 Gm.destill. Wasser, schüttelt kräftig durcheinander und prüft Geruch und Ge-schmack. Nach C hevallieb giebt man auf Zucker 1—2 Tropfen des Oelsund rührt ihn in Wasser. Dieses soll einen bitteren Geschmack annehmen,wenn das Oel nicht echt ist. Hat man sich ferner von einer nicht vorliegendenVerfälschung mit Weingeist überzeugt (vergl. unter Olea aetherea), so ist dieLöslichkeit des Oeles in 2 Th. 90procentigem Weingeist ein für die Reinheitsprechendes Moment.
Syrupus Aurantii florum, PomeranzeiiMiithensyrnp, ein farbloser Syrup aus900 Th. Zucker und 500 Th. Pom eranzenblüthen-wasser bereitet.
Im nördlichen und mittleren Deutschland pflegt manin Stelle des Capillärsaftes diesen Pomeranzenblüthensyrupzu dispensiren. (Vergl. S. 163 (1).
III. Folia Aurantii. Pomeranzenblätter, Orangenblätter,
die getrockneten Blätter des Pomeranzenbaumes. Sie kom-men aus dem südlichen Europa in den Handel, jedoch sam-melt man sie auch in unseren Orangerien.
Das Pomeranzenblatt ist circa 10 Ctm. lang, mit demBlattstiele durch ein Gelenk verbunden. Blattstiel mitverkehrt-herzförmigen oder verkehrt eirundenFlügeln, ein Flügel 5—8 Mm. breit. Blatt steif, ei-förmig länglich, spitz, ganzrandig oder sehr schwach ent-fernt gekerbt, durchscheinend punktirt, frisch auf deroberen Fläche glänzend dunkelgrün, auf der unteren blass- fig m Pomeranzen _grün. Der Geschmack ist etwas bitter und beim Zerreiben Matt. Halbe Lin.-Grösse.des Blattes ergiebt sich ein aromatischer Geruch.
Verwechselungen kommen vor und zwar mit den Blättern von
Citrus Aurantium Risso. Süssfrüch-tiger Orangenbaum. Apfelsinen-baum.
Citrus decumana Risso.
Pompelmus.
Citrus Limonum Risso.
bäum.
Citrus medica Risso.
Blattstiel mitFlügeln.
2—-3,5 Mm. breiten
Adamsapfel.
Limonien-
Blattstiel mit bis zu 15 Mm. breitenFlügeln.
Blattstiel mit 2—2,5 Mm. breiten
Flügeln.
Blattstiel ungeflügelt.
Die Pomeranzenblätter enthalten circa 0,3 Proc. eines flüchtigen Oeles,welches auch als Beimischung des Oleum petit-grain und der geringeren SortenNeroli dient, ferner wenig bitteren Extractivstoff.
Aufbewahrung. Die Pomeranzenblätter werden wenig gebraucht. Manhält sie in kleiner Menge als feines Pulver (in gut verstopfter Flasche) und ingeschnittener Form (in einer Blechbüchse) vorräthig.
Anwendung. Die Pomeranzenblätter sind ein mildes Antispasmodicum undStomachicum. Man giebt sie zu 2,0—3,0—4,0 in Aufguss, Electuarien, Pulvernbei Kolik, Hysterie, Epilepsie, Apetitlosigkeit.
IV. Fructus Aurantii immaturi, Poma Aurantii immatura, Aurantia im-watura, unreife Pomeranzen, die unreif abgefallenen und getrockneten Pomeranzen-
Hager, Pharmac. Praxis. I
34