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1 (1876)
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Aqua.

Ein gutes Trinkwasser ist frisch geschöpft:

1. klar, farblos und ohne Geruch.

2. Der Geschmack ist erfrischend und nicht fade, süsslich, tinten-haft oder salzig.

3. Es enthält im Liter nicht über 0,5 Gramm als Verdampfungs-rückstand zu wägende feste mineralische Stoffe, welche neben sehr ent-fernten Spuren Eisen nur den Alkalien und Erden angehören.

4. Es enthält keine oder im Liter nicht über 0,05 Gramm or-g anische Substanz, einschliesslich Ammon und Salpetrigsäure, niemalsorganisirte Wesen.

5. Es enthält keine riechenden Gasarten, wohl aber freie Kohlen-säure und atmosphärische Luft.

Wasser, welches diese Eigenschaften und Merkmale nicht aufweist, istkein gutes Trinkwasser, kann aber unter Umständen doch als Trinkwasser,welches der Gesundheit gerade nicht nachtheilig ist, gebraucht werden. Eslassen sich ein schlechtes, ein mittelmässiges, ein gutes Trinkwasservon einem Wasser, welches gar nicht als Trinkwasser zu verbrauchen ist, sehrwohl unterscheiden. Ein Wasser dieser letzteren Art ist entweder riechend,hat einen besonderen Geschmack oder ist überreich an organischer Substanzoder Kalksulfat.

Ein gutes Trinkwasser ist jedenfalls dasjenige, dessen Verdampfungs-rückstand, Kalksulfatgehalt und Gehalt an organischer Substanz sich unterden oben verzeichneten Grenzen hält und Farblosigkeit und Geruchlosigkeitaufweist. Das mittelmässige erreicht die bemerkten Grenzen oder geht umein Minimum darüber hinweg, ein schlechtes Trinkwasser aber übersteigtdie eine oder die andere Grenze wesentlich oder ist von Farbe oder Geruchund Geschmack nicht völlig frei.

Destillirtes Wasser, Eiswasser, Schneewasser, Regenwasser weisen mehrereEigenschaften eines guten Trinkwassers auf, werden aber nicht als solches an-gesehen, denn es fehlt ihnen der durch freie Kohlensäure bedingte erfrischendeGeschmack. Auf die Gesundheit haben sie übrigens keinen nachtheiligenEinfluss.

Ein trübes Wasser lässt auf suspendirte thonige und mergelige Be-standteile schliessen. Manche Brunnen geben nur nach starken Regengüssen,nach Thauwetter trübes Wasser (in Folge einer schadhaften Brunnenauskleidung).Im Wasser herumschwimmende Holzfasern deuten auf alte morsche Brunnen-rohre. Eine Filtration genügt oft, solches Wasser zu gutem Trinkwasser zumachen.

Wasser, welches in circa 10 Centim. dicker Schicht (gegen ein Blattweisses Papier betrachtet) eine Färbung (eine gelbliche, grünliche, bräunliche)zeigt, enthält entweder reichlich organische Substanz oder auch Eisenoxydsalz.Letzterer Gehalt dürfte wohl immer ein seltener sein. Wenn das Wasser einesBrunnens gefärbt ist, so finden sich entweder im Grunde desselben eine mitfauligen organischen Substanzen durchsetzte Erdschicht, Moder, Torf, oder dieBrunnenauskleidung ist schadhaft und hindert nicht den Zutritt des in derUmgebung durch modrige Erdschichten, Düngergruben, Begräbnissplätze filtri-renden Regen- oder Grundwassers. Hier kann möglicher Weise eine dichtereBrunnenauskleidung oder eine erneute Sandschicht im Brunnenkasten, oder eineLehmumkleidung des Brunnenkastens, manchmal auch ein stärkerer Gebrauchdes Brunnens Abhilfe leisten.

Ein besonderer Geschmack ist von besonderen Bestandtheilen abhängig,ein hepatischer deutet auf Schwefelwasserstoff (entstanden durch Einwirkung