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1 (1876)
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Anacardia. Cardoleuiu.

Anacardia oecidentalia, Frnctus ( \nrcs ) Anacardii occidentalis, WestindischeAnacardien des Handels sind die von dem fleischigen Stiele befreiten Früchtedes oben benannten Baumes. Die Frucht ist eine Steinfrucht, nierenförmig,3 bis 3,5 Centini. lang, unterhalb 2 bis 2,5 Centim. breit, circa 1 Centim.dick, unten mit einer Narbe (vom abgelösten Fruchtstiel), graubräunlieh, glatt,

glänzend, einsamig. Die Lücken der dunkel-braunen Mittelschicht des harten lederartigenFruchtgehäuses sind mit einem bräunlichen,an der Luft sich schwärzenden, später aus-trocknenden, brennend scharfen, auf der HautEntzündung und Blasen hervorrufenden,flüssigen Balsam erfüllt. Der Same istplanconvex, ölig-fleischig und von mildemGeschmack.

Anwendung. Jener bräunliche, an derLuft schwarz werdende ölähnliche Balsamin den Porenhöhlungen der Mittelschicht desFruchtgehäuses ist eine giftige Substanz. Erbesitzt eine ungemein ätzende Schärfe

Fig. 91. Fruolit mit birnenförmigem Stiele von UD ? WUr(3e aIS CaUSÜCUm auf Warzen,Anacardium occidentale >|< Lin. Vergr. Leichtdorn, wildes Fleisch etc. , auch als

Vesicans empfohlen. Dieser Balsam ge-sammelt hat den Namen Cardol erhalten.

Von der Anwendung des Cardols ist abzurathen, denn bei vielen Personenerzeugt es den Brandwunden ähnliche Corrosionen, welche nicht nur zu ihrerHeilung mehre Woelien erfordern, welche ausserdem noch die Haut zu einemekzematischen Zustand disponiren, welcher das ganze Wohlbefinden des Körpersin Mitleidenschaft zieht.

In früherer Zeit sollen die Aerzte die Occidentalische Anacardienfruchtgegen Geistes- und Gedächtnissschwäche, Gemüthskrankheiten, Brust- und Unter-leibsleiden , Hautkrankheiten angewendet haben, es scheint aber, als ob sienicht diese, sondern die Frucht von Semecarpus Cassuvium Sprengel , Synon.Anacardium longifoliüm Lamaeck kannten und gebrauchten.

Ueber die Anwendung des Cardols als Tinte zum Zeichnen der Wäsche,Handschuhe etc. vergl. unter Anacardia orientalia.

Die occidentalische Anacardienfrucht, oder eine Varietät derselben wirdin neuerer Zeit als Affenbohne zum Spielen der Kinder in den Handel ge-bracht. Unter Umständen ein gefährliches Spielzeug.

f* Cardoleum vesicans, blasenziehendes Cardol. Die Occidentalischen Ana-cardien, von ihren Samen soviel als möglich befreit, werden in einem metallenenMörser zerstossen und mit einem Gemisch aus gleichen Theilen A etil er undabsolutem Weingeist unter Maceration extrahirt. Der colirte Auszug, zurdünnen Mellagodicke eingeengt, liefert das Cardol, welches kaum mehr in An-wendung kommt. Bei dieser Arbeit bewahre man sorgsam Hände und Gesichtvor dem Benetzen und Bespritzen mit der Cardollösung.

Cardol ist unter den starkwirkenden Arzneistoffen aufzubewahreil.

Die wesentlichen Bestandtheile des scharfen Balsams in den Anacardien-früchten sind Anacardsäure und Cardol. Das reine Cardol bildet (nachStaedler ) ein neutrales, gelbes oder rothgelbes, wie Oel fliessendes Liquidumvon 0,978 spec. Gew. bei 23° C., löslich in absolutem Weingeist, Aether,