Druckschrift 
1 (1876)
Entstehung
Seite
190
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

190

Aethyle jodata.

welches durch Einwirkung von 2 Th. Brom auf 1 Th. wasserfreien Aetherentsteht und eine rothe krystallinisclie, bei +21° schmelzende Substanzdarstellt.

Anwendung. Man hat das Aethylbromid wie das Aethyljodid als Anaesthe-ticum angewendet. Es wirkt nach R ichabdson mit 90 92 Proc. atmosphä-rischer Luft gemischt gut anästhesirend, erzeugt keine Muskelrigidität, wirktnicht deprimirend auf das Herz und es schwindet seine Wirkung ziemlichschnell, dagegen soll es in einzelnen Fällen Reizung der Kehle, auch Erbrechenbewirken. Das Aethylbromid ist heute nicht mehr im Gebrauch.

Aethyle jodata.

Aethyle jodata, Aether hvdrojodicus, Jodwasserstoffäther, Jödiither, Jodäthyl,Aethyljodür, Aethyljodid (C 4 H 5 J oder C 2 H 5 J = 156).

Darstellung. Diese erfordert dasselbe Verfahren wie die der Aethylebromata, nur sind zu verwenden 300,0 absoluter Weingeist; 640,0 Jodund 33,0 34,0 Phosphor. Das Jod wird ebenfalls fractionirt mit demPhosphor in kleinen Stüeken in gegenseitige Wirkung gebracht und nach derOperation die Flüssigkeit von etwa entstandenem amorphem Phosphor decan-thirt. Ausbeute circa 750,0 Aethyljodid.

Eigenschaften. Aethyljodid bildet eine farblose, klare, neutrale, eigen-thümlieh ätherartig riechende Flüssigkeit von 1,925 spec. Gew. bei 17,5° C.und mit einem Siedepunkte bei 65° C. Im Uebrigen verhält es sich demAethylbromid ähnlich, nur ist es noch mehr disponirt sich unter dem Einflüssevon Luft und Licht zu zersetzen.

Aufbewahrung. Aehnlich wie die des Aethylbromids. Wird es als Inhala-tionsmittel gebraucht und es ist gefärbt, so genügt das Schütteln mit einigenSchnitzeln reinen Kupfermetalls und Filtration durch Glaswolle im bedecktemTrichter am schattigen Orte.

Anwendung. Das Aethyljodid ist dasjenige unter den Jodpräparaten,welches innerlich genommen oder eingeathmet den Körper am schnellsten durch-dringt und in allen Theilen mit Jod versieht, z. B. 20 Einathmungen ver-dünnten Aethyljodiddampfes genügen, um eine Viertelstunde später Jod imHarne nachweisen zu können. H agen sagt in seinem Werke,die seit 1830in die Therapie eingeführten Arzneistoffe", dass auf die ersten Einathmungendes Aethyljodids sich ein Gefühl von Ruhe und Behaglichkeit zu erkennen gebe,ähnlich dem beim Chloroformeinatlimen; die Athmungsbewegungen gehen aberleicht und vollständig von Statten. Später, namentlich nach öfter wiederholtenEinathmungen macht sich eine gesteigerte Esslust bemerkbar; zugleich werdendie allgemeinen Absonderungen vermehrt und die besonderen aufregendenWirkungen des Jods auf die Geschlechtsorgane wahrgenommen. Ein täglichöfterer Gebrauch lasse aber auch die übleren Jodwirkungen eintreten. DieEinathmungen haben sich bei Lungenphthisis und chronischer Bronchitis be-währt. In Gaben zu 0,3 0,61,0 ist es innerlich bei chronischem Rheu-