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1 (1876)
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Acidum aceticum.

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Acidum aceticum.

Essigsäure kommt in der Pharmacie in folgenden Formen in Anwen-dung: 1. als Eisessig, 2. verdünnte Essigsäure, 3. reiner Essig,4. gewöhnlicher Essig, 5. roher Holzessig, 6. rectificirter Holz-essig und 7. als Weinsteingeist.

I. Acidum aceticum, Acetuin glaciale, concentrirte Essigsäure, Essigsäureüydrat,Eisessig (C 4 H 3 0 3 ,H0 oder C 2 U 4 0 2 = GO) bildet eine klare farblose, stechendsauer riechende und ätzend" sauer schmeckende, bei 510° C. zu einer kry-stallinischen Masse erstarrende, bei 16° C. wieder flüssig werdende, bei 110°siedende Flüssigkeit von circa 1,060 spec. Gew. Das spec. Gewicht ihrerMischungen mit Wasser steigt nicht mit dem Säuregehalte, es nimmt vielmehranfangs beim Vermischen mit Wasser zu und dann auf Zusatz von mehr Wasserab. Für den pharmaceutischen Gebrauch genügt eine Essigsäure, von welcher10 Th. einen Th. Citronenöl zu lösen vermögen, welche also circa 84 Prc.wasserleere Essigsäure enthält.

Darstellung. Der Eisessig wird durch Destillation von 100 Th. völligentwässertem Natronacetat, 30 Th. rauchender und 80 Th. Englischer Schwefel-säure dargestellt. Das Destillat wird mit 1 Th. gepulvertem Kalibichromatund 4 Th. entwässertem Natronacetat einige Stunden macerirt, dann decanthirtund rectificirt, wobei man die zuerst übergehenden, etwas wässrjgen 45 Th..besonders auffängt. Ausbeute circa 70 Theile.

Aufbewahrung. In der Reihe der scharfen Stoffe (von Ph. Germ, jedochnicht vorgeschrieben).

Abgabe: mit einiger Vorsicht für technische Zwecke. Im Handverkaufunter dem Namen Essigsäure als Medicament gefordert wird Acidum ace-ticum, dilutum dispensirt.

Prüfung. 1) Völlige Flüchtigkeit beim Erhitzen im Platinschälehen,2) Lösung von 1 Th. (4 Tropf. = 0,1 Gm.) Citronenöl in 10 Th. (36 Tropf.= 1,0 Gm.) der Säure, 3) nicht vollständige Sättigung von 10,0 der Säure,verdünnt mit 30,0 Wasser, durch 27,0 des lOproc. Aetzammons, 4) Nicht-entfärbung weniger Tropfen Kalihypermanganatlösung durch die mit einemdoppelten Volum destill. Wasser verdünnte Säure innerhalb 10 Minuten,5) Indifferenz der verdünnten Säure gegen Schwefelwasserstoff, 6) gegen Chlor-baryum, 7) gegen Silbernitrat, und 8) gegen Brucin.

Anwendung. Zur innerlichen Anwendung wird der Eisessig von den Aerztennicht herangezogen, vielmehr durch Acidum aceticum dilutum oder Acetumersetzt. Wegen seiner ätzenden Eigenschaften gebraucht man ihn als Vesi-catorium, indem man Fliesspapier, Leinwand oder Charpie damit durch-tränkt und auf die Haut legt ( Vesicatoire de B f.auvoisin), auch als Aetz-mittel auf frischen Schankern. Als Aetzmittel bei Epithelialwucherungen,Warzen und Hühneraugen verdünnt man ihn mit gleich viel Wasser. Zu sub-cutanen Injectionen ist er mit mindestens der 5 fachen Menge Wasser zuverdünnen. Olfactorien oder Riechfläschchen mit Essigsäure (bei Ohn-macht), die Flacons de poclie, Flacons de sei anglais der Franzosen, sind mitkleinen Kalisulfatkrystallen, mit aromatischer Essigsäure durchtränkt, ge-füllt. Im Uebrigen sind die Essigsäuredämpfe den Lungen nichts wenigerdenn zuträglich. In der Photographie findet der Eisessig technische Ver-wendung. 25 30 Gm. innerlich genommen können eine letale Vergt'tungherbeiführen.