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Acanthns — Acetonum.
Sie enthalten viel Schleim und wurden früher als erweichendes einhüllendesMittel bei Durchfall, Katarrh, Blutspucken u. d. gl., äusserlich zu Umschlägenauf Verbrennungen benutzt, und waren auch Ingredienz derHerbae quinqueemollientes. Jetzt sind sie obsolet und nur hin und wieder in alten Re-cepten auftauchend, wo sie durch Folia Malvae sehr wohl ersetzt werdenkönnen. Das in Deutschland überall heimische Heracleum Spondylium Linn.wird häufig auch mitBärenklau (unächte, deutsche) bezeichnet. DieWurzeldesselben wurde im vorigen Jahrhundert in Gaben zu 8,0—10,0 in Pulver undAufguss als Epilepsiemittel (erfolglos) angewendet.
Acetonum.
Acetonum, Spiritus pyro-acetiens, Aceton. Mesitalkohol (C 6 H c 0 2 oder C 3 H 6 0 = 58)ist eine klare, farblose, leicht bewegliche, leicht entzündliche, mit leuchtenderFlamme verbrennende Flüssigkeit von eigenthümlichem, an Essigäther erinnern-dem Gerüche und beissend minzähnlichem Geschmacke. Spec. Gew. 0,792— 0,800.Siedepunkt 56° C. Es lässt sich mit Wasser, Weingeist, Aether, Chloroformin allen Verhältnissen mischen. Es löst Harze, Kampfer, Kautschuck, Fette etc.
Bereitung. Trocknes wasserfreies Kalkacetat, dargestellt durch Sättigungvon Kalkhydrat mit gereinigtem Holzessig oder roher Essigsäure und Eintrock-nung, wird mit seinem halben Gewicht gepulvertem Aetzkalk gemischt, in einegusseiserne Retorte oder einen Kolben eingeschüttet der trocknen Destillationunterworfen. Das mit trocknem Natroncarbonat abgestumpfte Destillat wirdüber Chlorcalcium rectificirt. 100 Kalkacetat liefern circa 15 Aceton.
Aufbewahrung. In gut verstopfter Flasche und an einem kühlen Orte.
Prüfung. Damit geschütteltes Chlorcalcium darf nicht zerfliessen (Wasser),Jod und Kalilauge (vergl. unter Spiritus Vini) kein Jodoform erzeugen (Wein-geist). Mit Wasser gemischt darf nur eine unbedeutende Opalisirung eintreten(Spuren Empyreuma).
Anwendung. Gegen Lungentuberculose, Kehlkopf- und Lungenphthise,Gicht, acuten und chronischen Rheumatismus, auch als A nthelminthicum etripfohlenund gepriesen. Obgleich es quälenden Husten mildert, Sc.hweiss mindert undbelebend wirkt, so ist es dennoch obsolet. Dosis 10—15—20 Tropfen dreibis fünfmal täglich, Gesammtdosis auf den Tag 3,0. Stärkere Dosen irri-tiren leicht die Respirations - und Verdauungsorgane. Aeusserlich wird es alsDampf oder in zerstäubter Form (1 in 100 Aq.) zu Inhalationen, selbst auchals Zusatz zu Linimenten benutzt. Dem in England erzeugten Präparate vin-dicirte man eine sichere Wirkung.
Werl's antipllthisic capsules. Gelatinekapselu mit einem Gemisch aus1 Aceton und 9 Oleum Jecoris Aselli gefüllt.
(1) Mixtura antiphthisica Naumann.
ijc Acetoni 2,5
Mucilaginis Gummi ArabiciSyrupi Morphini acetici ana 25,0Aquae destillatae 150,0.
M. D. S. 2—3 stündlich 1 Esslöffel.
(2) Mixtura antirheumatica Becker.
IV Infusi radicis Valerianae 200,0Acetoni 10,0
Syrupi Corticis Anrantii 50,0.M. D. S. 3stündlich 1 Esslöffel.
Als Einreibung ein Gemischaus: Acetoni et Olei Olivaruin ana 10,0,Tincturae kalinae 3,0.