WERNHER.
247
Erste, der die Chirurg. Assistenzarztsstelle bekleidete und wurde bereits 1837 zumProf. ord. und zum Director der chir. Klinik ernannt, die unter seiner Leitung,bei seinem Interesse für die Wissenschaft, bei seinen gründlichen und gediegenenKenntnissen, seinem rastlosen Schaffen und energischen Handeln, bald ein ver-ändertes Aussehen gewann. Auch bei seiner Lehrthätigkeit machten sich dieerwähnten Eigenschaften W.'s in vortheilhaftester Weise geltend, indem »eine Vor-träge sich durch grosse Klarheit, tibersichtliche Anordnung des Stoffes, Gewandtheitdes Ausdruckes und Lebendigkeit der Schilderung auszeichneten. So war es damals,als W. sein Amt antrat und so blieb es während der langen Zeit seiner Lehr-thätigkeit. Seine ersten Publicationen waren: „Veber Malum coxae senile, Coxar-throcace und Coxalgie" (Schmidt's Jahrbb., 1836) — „Die angeborenen Cysten-Hygrome und die ihnen verwandten Geschwülste u. s. w." (Giessen 1843 , 4.,m. 4 Taff.), Denkschrift zur Feier des oOjähr. Dr.-Jubil. des Prof. Wilh. Nebel —„Ueber varicöse Geschwüre, ihre Ursache und Behandl." (Hamburger Zeitschr.,1845). 1845 erhielt W. auch die Professur der pathol. Anatomie und die Direetiondes sich unter seiner Hand schnell vergrössernden pathol.-anat. Cabinets, dessenStamm aus der 1837 von der Universität angekauften soemmerring 'schen Sammlunghervorgegangen war. Die Beschäftigung mit der pathol. Anat. und die Ergebnisseder in derselben gemachten Studien kamen sowohl W .'s eigenen Arbeiten, die wirim Folgenden anführen, zu Gute, als auch gaben sie Anlass zu einigen sehr guten,unter seiner Leitung gearbeiteten Dissertatt., z. B. v. Herff's (1853) überHodentuberculose, Thudichum's (1851) über die Brüche am oberen Ende desHumerus u. s. w. W.'s eigene Arbeiten waren ein durch Vollständigkeit undgrosse Klarheit sich auszeichnendes „Handb. der allgern. und spec. Chirurgie"(4 Bde., Giessen 1846 — 57), dessen umgearbeitete 2. Aufl. (Bd. 1, 1862, 63) leiderunvollständig geblieben ist, ferner: „Beiträge zur Kenntniss der Krankheitendes Hüftgelenks, Malum coxae senile, Coxalgie und Fract. intracapsul. collifemor (Ib. 1847, m. 3 Taff.) — „Das akadem. Hospital der Univers. Giessenim J. 1848" (Ib. 1849) — „ Ueber schmerzhafte Atrophieen der Brustdrüseund atrophir. Sarcome derselben" (Henle's u. Pfeufkr's Zeitschr., 1854) —„Krebs der Lungenarterie" (Ib.) — „Fortschreit., nicht krebsartige Papillar-geschwülste der Cutis. Naevus papillaris Thomson's" (Ib. 1855). NachBalsek's Tode (1846) war ihm auch das Directorium des ganzen akad. Hospitalsübertragen worden und führte er danach auch hier zahlreiche und wichtige Ver-besserungen ein. Er erstattete ferner, wie früher fiir 1848, auch für 1870, 71über dasselbe (1872) einen Bericht ab. 1856 wurde er auf sein Ansuchen vonder Nominal-Professur der pathol. Anatomie entbunden, gab die Direetion derpathol.-anat. Sammlung jedoch erst ab, als (1872) eine eigene Professur fiirpathol. Anat. errichtet wurde. 1858 hatte er das Unglück, sich mit Trachomzu iuficiren und wurde dadurch für lange Zeit seiner Berufsthätigkeit entzogen,brachte einen grossen Theil des Jahres 1859 in v. Graefe's Klinik zu Berlin,und auch später noch (1860, 61), bei Nachschüben, wiederholt kürzere Zeit da-selbst zu. Wenn er auch in einer alles Erwarten übersteigenden Weise wieder-hergestellt wurde, so war sein Sehvermögen doch nicht mehr ein ganz normales,und beschränkte Dies seine prakt., namentlieh operative Thätigkeit nicht unbe-trächtlich. Mit desto grösserem Eifer aber widmete er sich literar. Studien undliegt eine ganze Reihe derselben vor, die sämmtlich nach dem von ihm zusammenmit Leuckart , die Beide Geschäftsführer der 39. Versamml. deutscher Naturf.und Aerzte in Giessen, 1864, gewesen waren, über dieselbe veröffentl. amtlichenBerichte (1865) erschienen sind, nämlich: „Zur Statistik der Hernien. Aetiolog.Theil" (v. Laxgexisf.ck's Archiv, 1869, XI) — „Geschichte und Theorie desMechanismus der Bruchbildung" (Ib. 1872, XIV) — „Theorie und Mechanikdes Bruchbandes und Beschreibung eines neuen Bruchbandes" (Deutsche Klinik,1871) — „Ueber nervöse Coxalgie" (Deutsche Zeitschr. f. Chir., 1872,1) — „ Ver-letzung des Lobus frontalis der linken Grosshirnhälfte. Ein Beitrag zur