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6 (1888) Treiber - Zypen. Nachträge und Ergänzungen
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VESALIÜS. VESLING.

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und Pisa. Noch im J. 1555, nach dem Erscheinen der 2. Aufl., waren die FeindeY.'s so ansehnlich, dass Kaiser Karl, sein Beschützer, es für nöthig hielt, dietheol. Facultät zu Salamanca aufzufordern, sich über die Zulässigkeit von Zer-gliederungen menschl. Leichen gutachtlich zu äussern. Die Facultät erklärte, dasssolche Zergliederungen allerdings im Interesse der ärztl. Wissenschaft und derleidenden Menschheit zulässig seien. Nach der Abdankung Kaiser Karl's (imJ. 1556) trat V. als Leibarzt in den Dienst Philipp's II.; hier aber hatte er,abgesehen von den Schwierigkeiten seiner Stellung, von der Feindschaft des Clerus,dessen Laster er in Schriften und Vorträgen dem Spotte Preis gab, mit so grossenHindernissen seiner wissenschaftl. Thätigkeit zu kämpfen, dass er den Entschlussfasste, sieh diesen Zuständen, wenigstens für einige Zeit, durch eine Wallfahrt nachJerusalem zu entziehen. Ob an diesem Entschlüsse religiöse Gründe Antheil hatten,ist unbekannt. Wahrscheinlich hoffte V., nie wieder nach Madrid zurückzukehren,da er inzwischen Verhandlungen angeknüpft hatte, welche seine Berufung nachPadua zum Zwecke hatten. Jene Hoffnung ging allerdings in Erfüllung, aber ineiner sehr traurigen Weise. Auf der Hinfahrt verweilte V. einige Zeit in Venedig,jedenfalls hauptsächlich um seine Berufung an die Stelle Falloppio's zu betreiben.Er erhielt dieselbe in Jerusalem. Auf der Rückreise, am 2. Oct., litt das Fahr-zeug bei der Insel Zante Schiffbruch. V. selbst erkrankte in Folge desselben undstarb 15. Oct. 1564, 50 Jahre alt, in Hunger und Elend! Ein Goldschmied, derihn erkannte, verschaffte ihm ein einfaches Grab in der Kirche der heil. Jungfrauauf Zante. Neuerdings ist eine von David gefertigte Statue V.'s in Brüsselerrichtet worden. Die wichtigsten Schriften Desselben sind folgende: Sechs anat.Tafeln (Vened. 1538, fol.), von höchster Seltenheit; angeblich 3 Tafeln mitAnsichten des Skelets, die übrigen mit Abbildungen der Leber, Milz, Pfortader,Genitalien, Herz und Arterien (im Besitze der Marcus-Bibliothek in Venedig)De corporis humanifabrica libri Septem" (Basel 1543, fol., Karl V. gewidmet;2. Aufl. Ib. 1555, fol.; 3. Aufl. Vened. 1568)Suorum de fabrica corporishumani librorum epitome" (Basel 1543, dem Infanten Philipp II. gewidmet)G ab r. C unei (i. e. Vesalii) apologiae Franc. Pu tei pro G aleni anatomeexamen" (Vened. 1564)Anatomicarum Gabrielis Falloppii obser-vationum examen 11 (Ib. 1564). Ausserdem die eine Schrift des Rhazes betreffendeDr.-Diss. (Basel 1537), eine über die Heilkräfte der Radix Chinae und die nachV.'s Tode (1568) von Borgarucci (mit vielen Zusätzen) herausgegebeneChirurgiamagna". Sämmtliche Werke herausgeg. vou Albinus und Boerhaave (2 voll.,Leyd. 1725, fol.). Das grosse Werk V.'s, von derAnathomia" Mondino's durchmehr als 2 Jahrh. getrennt, beruht fast ganz auf eigenen Untersuchungen, welchedurch eine grosse Zahl von Holzschnitten erläutert werden. Die letzteren, nament-lich die Darstellungen des Skelets und die (nur in derEpitome") sich findendennackten Körper eines Mannes und einer Frau, nebst dem grossen Titelbilde, welcheseine von V. gehaltene anat. Vorlesung darstellt und sein Porträt (das einzigevon ihm vorhandene Bildniss) sind zugleich bemerkenswerth, weil sie zu denfrühesten und besten Producten der Xylographie gehören. Die Zeichner derselbensind unbekannt, aber höchst wahrscheinlich rühren die wichtigsten jener Abbildungen,namentlich die oben hervorgehobenen, von einem der vorzüglichsten SchülerTizian's, Stephan von Calcar (bei Wesel am Rhein), einige vielleicht von demmit V. befreundeten grossen Meister selbst her. H. Haeser(f).

Vesling , Johann V., hervorragender Anatom zu Ende des 16. undAnfang des 17. Jahrh., geb. 1598 zu Minden in Westfalen, kam noch jung mitseinem Vater nach Wien, wo er seine literar. und med. Ausbildung erhielt. Daraufging er nach Venedig, wurde hier 1627 alsIncisor" bei dem ärztl. Collegiumangestellt, unternahm aber noch in demselben Jahre, in Begleitung des venetian.Consuls, dessen Arzt er wurde, eine längere Studienreise nach dem Orient, wobeier Aegypten und Jerusalem besuchte und namentlich den botan. Verhältnissen desBiogr. Lexikon. VI. 7