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VERZASCHA. — VESALIUS.
nach einander Senator, Inspector der Schulen und Archiater, erlangte eine sehrausgedehnte Praxis und starb 1680. V. war ein tüchtiger Arzt, huldigte abereiner starken Polypharmacie. Die von ihm herrührenden Schriften sind: „LazariRiverii medicinapractica in succinctum compendium redacta" (Basel 1663) —Genturia prima observationum medicarum cui accesserunt celeberrimorumvirorum consilia et epistolae" (Basel und Amsterdam 1677) — „Neu voll-kommenes Kräuterbuch von allerhand Gewächsen, der Bäumestauden undKräuter, die in Deutschland, Italien, Frankreich und in anderen Orten her-vorkommen" (Basel 1678).
Biogr. m6d. VII, pag. 418. — Dict. bist. IV, pag. 324. Rgl-
Vesalius, Andreas V., der Wiederhersteller der Anat. des Menschen,geb. 31. Dec. 1514, entstammte einer deutschen Familie aus Wesel am Rhein,welche nach Brüssel ausgewandert war und ihren ursprünglichen Namen Wytinckoder Wyting in Wessele, Vesale abgeändert hatte. Sein Vater, ebenfallsAndreas geheissen, war Apotheker der Statthalterin der Niederlande, PrinzessinMargarethe. Andreas V., der Sohn, studirte in Loewen, Montpellier undParis. An letzterem Orte waren Guido Guidi (Vidus Vidius) , Jacques Dubois(Jacob Sylvius ) und Winthek von Andernach seine Lehrer. Von dem Zustandedes anat. Unterrichts, welchen V. vorfand, entwirft Derselbe in seinem Hauptwerkeein trauriges Bild. Für den Unterricht wurden fast ausschliesslich Thiere benutzt;etwaige menschl. Leichen wurden in 3 Lectionen erledigt. Nach kurzer Zeit thatsich V. so hervor, dass er im Auftrage von Sylvius die Vorträge Desselben mitden Studirenden wiederholen musste. In Loewen, wohin V. nach Beendigung seinerStudien zurückkehrte, hielt er anat. Vorlesungen. Hier glückte es ihm, sichnächtlicher Weile ein für ihn unschätzbares Kleinod, das Skelet eines Gehängten,zu verschaffen. Im J. 1534, in seinem 20. Lebensjahre, trat er als Wundarzt indie Armee des Kaisers ein, hauptsächlich in der Hoffnung auf anat. Untersuchungen.Die erste Gelegenheit dieser Art bot sich ihm im J. 1535 dar; bis dahin hatteer nur 2mal Sectionen menschl. Leichen beigewohnt. Zahlreiche derartige Unter-suchungen konnte er dagegen während des Feldzuges in Italien anstellen. Indieser Zeit bereits fasste er, der 22jähr. Jüngling, den Plan zur Neubegründungder Anatomie. Im J. 1537 erwarb er sich in Basel die Doctorwürde. Schon einJahr später erschien seine erste anat. Schrift, die Sechs Tafeln; noch ein Jahr spätererhielt er die glänzende Berufung auf den Lehrstuhl der Anat. in Padua, welchener bis zum J. 1546 innehatte. In diesen 7 Jahren lehrte V. nicht bloss in Padua,wo er oft über 500 Zuhörer hatte, sondern auch in Bologna und Pisa in 7-wöchenthCursen die Anatomie. Schon im J. 1542 begann der Druck seines grossen Werkes;er verweilte zu diesem Behufe in Basel und hielt einige anat. Vorlesungen, zudenen er, was bis dahin in Basel nie geschehen war, eine menschl. Leiche benutzte.Im J. 1543 folgte er einem ehrenvollen Rufe des Kaisers zur Armee nach Hollandund 2 Jahre später (1545) erschien sein grosses Werk nebst einem „Probehefte"der „Epitome". Im J. 1546 legte er seine Professur in Padua in die Händeseines Prosectors Colombo , verweilte längere Zeit in Basel, um die 2. Aufl. seinesWerkes vorzubereiten und hielt wieder einige anat. Vorlesungen. Er schenktebei dieser Gelegenheit der Universität ein männl. Skelet, welches mit einem weibl.,das später von Felix Platter der Facultät verehrte wurde, bis in das 19. Jahrh.hinein den ganzen Bestand des anat. Museums von Basel bildete! In demselben Jahrefeierte V. in Brüssel seine Vermählung. Das Erscheinen seines grossen Werkes riefeinen Sturm hervor, kaum weniger heftig als der, welchen 100 Jahre später die Ent-deckung des Blutkreislaufes verursachte. Als erster Gegner trat V.'s alter Lehrer,Jac. Sylvius , in die Schranken mit einem ebenso leidenschaftl. als unwürdigenAngriffe, welchen V. („Vesanus" hatte ihn Sylvius genannt!) mit Schweigenbeantwortete. Einen weit gewichtigeren Gegner fand er an Bartolomjieo Eüstacchiin Rom. Um Diesen zu bekämpfen, begab er sich von Neuem nach Padua, Bologna