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PIROGOW.
Prof. Muchin trat P. in das damals existirende Professoren-Institut, durch welcheseine Anzahl junger, strebsamer und tüchtiger Zöglinge zu Professoren herangebildetwerden sollte. P. wurde zur weiteren Ausbildung nach Dorpat geschickt undbegann hier auf's Neue die med. Studien, mit besonders ausgesprochener Neigungfür Chirurgie und Anatomie, unter Moier . 1832 wurde er zum Dr. med. pro-movirt (Diss. „Num vinctura aortae abdominalis in aneurysmate inguinali ad-hibita facile ac tutum sit remedium") und begab sich sofort zur weiteren Aus-bildung nach Deutschland, studirte in Berlin, Göttingen und kehrte in der Hoff-nung heim, in seiner geliebten Vaterstadt die Professur der Chirurgie zu erhalten.Doch die Hoffnung war eine vergebliche. Inosemzew erhielt die Moskauer Stelle,P. dagegen, der echte Russe, wurde au die deutsche Universität zu Dorpat berufen.Bereitwillig folgte P. dem Rufe — er hatte längst Dorpat, dessen Professorenund das deutsche Wesen lieb gewonnen — und bekleidete von 1836—40 die Stelleeines Prof. der Chir. In diese Zeit fallen P.'s hervorragende anatomische Arbeitenüber die Arterien und Fascien, wodurch er sieh zuerst in weiteren Kreisen be-kannt machte. 1840 berief der Minister Kleinmichel P. nach Petersburg alsProf. der Hospitalchirurgie an der militär-medicinischen Akademie. Hier entfalteteP., neben seiner schriftstellerischen Thätigkeit, einen ausserordentlichen Einflussauf das Hospitalwesen als Organisator ; er setzte die Einrichtung eines besonderenanatomischen Instituts (filr prakt. Anat.) durch und stellte als Prosector dennachmaligen Prof. Wenzel Gbubee an. Im J. 1847 war P. vom Juli bis Nov.in den Lazarethen des Kaukasus thätig, führte die Aetherisation bei Operationenein und sorgte für gute Verpflegung der Verwundeten. 1848 begann er seineCholerastudien und machte fast 800 Seetionen. Vom October 1854 bis Juni 1858war P. in Sebastopol thätig. Charakteristisch für die damaligen Verhältnisse istes, dass nur durch die Vermittelung der Grossfürstin Helena Pawlowna derberühmte Chirurg die Erlaubniss, nach Sebastopol zu reisen, erhielt. Durch eineAeusserung P.'s „Die Fragen des Lebens" wurde der Minister Norow veranlasst,dem Chirurgen P. die Stellung eines Curators anzubieten. P. sehnte sich nach demSüden und ging als Curator des Odessaer Lehrbezirkes 1857 nach Odessa undbald darauf nach Kiew. Allein der freidenkende Mann der Wissenschaft war keinBeamter. Er kam bald in •Collision mit seinen Vorgesetzten, gab die Stellungauf, ging auf sein Landgut und wurde Friedensrichter. Im J. 1862 trat P.wieder in Staatsdienste, insofern er vom Minister G o 1 o w i n beauftragt wurde,eine Anzahl junger Russen, welche im Auslande ihre Studien machten, um späterin Russland zu dociren, zu beaufsichtigen. Mit diesem Auftrage lebte P. von1862-—66 in Deutschland, kehrte aber dann wieder auf sein Landgut zurück.Im J. 1870 besuchte P. während des deutsch-französischen Krieges, im Auftrageder Gesellschaft zur Pflege verwundeter und kranker Krieger, die Hospitäler Deutsch-lands und Frankreichs ; 1877 bereiste er Rumänien und Bulgarien, dann lebte erin Stille auf seinem Laudgute, nach alter Weise der Praxis sich hingebend.Noch einmal, 1881, trat er an die Oeffentlichkeit, insofern er 24. Mai 1881sein 50jähr. Dienstjubiläum feierte ; er hatte häufig an Kränklichkeit zu leiden ;am 23. Nov. (5. Dec.) 1881 ging er ein zur Ruhe für immer. — P. hat an med.Werken veröffentlicht : „Anatomia chirurgica truncorum arteriarum atque fas-ciarum fibrosarum" (Dorpat u. Reval, 1837—40, Atlas m. latein. und deutschemText) — „ Ueber die Durchschneidung der Achillessehne als operativ-ortho-pädisches Heilmittel" (Dorpat 1840, m. 7 Taff. ; 1870) — „Recherches pratiqueset physiologiques sur V etherisation" (St. Petersburg 1847) — „Anatomie patholog.du choléra morbus" (Ib. 1849, m. Atlas) — „Rapport médical d'un voyageen Caucase contenant la statistique comparative des amputations " (Ib. 1849) —„Der Gypshlebeverband bei einfachen und complicirten Knochenbrüchen undin seiner Anwendung beim Transport Verwundeter und auf dem Schlachtfelde"(Leipzig 1854) — „Osteoplastische Verlängerung der UnterschenJcelknochen beider Exarticulation des Fusses" (Ib. 1854)— „Betrachtungen über die Schwierig-