Druckschrift 
3 (1886) Haab - Lindsley
Entstehung
Seite
375
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JAEGEK. JAFFE.

für angebliche staatsgefährliche Umtriebe) nach Landshut an die dortige chirurgischeSchule versetzten Prof. Textor ernannt, jedoch bereits nach 2 Jahren, nachTextor's Rehabilitirung, von Würzburg, wo er sich nicht wohl gefühlt hatte, nachErlangen, in die früheren Verhältnisse zurückversetzt. Indessen trug er bereits denKeim des Todes in sich. Ein Kehlkopf- und Brustleiden machte allmälig solcheFortschritte, dass es ihm nicht mehr möglich war, seine klinischen Vorträge zuhalten und er genöthigt war, dieselben seinem Assistenten und liebsten SchülerDr. Ried (jetzt in Jena) zu übertragen, der von 1836 bis zu J.'s am 2. Februar1838 erfolgten Tode ihn vertrat und die Direction der Klinik noch bis zum October1838 weiter führte. In jener Zeit schrieb J. noeh die grosse Reihe der im I. bisIII. Bande des bereits erwähnten Handwörterbuches der Chirurgie (183639) ver-öffentlichten vortrefflichen Artikel; nach seinem Tode noch fanden sich viele völligausgearbeitete Artikel zu dem Reste des Werkes. Ausserdem erschien in derselbenZeit noch eine Reihe von Aufsätzen und Recensionen in verschiedenen Journalen.J. gehörte, namentlich auf dem Gebiete der Knochen- und Gelenkkrankheiten undder mit ihnen in innigem Zusammenhange stehenden Resectionen zu den bahn-brechenden Chirurgen Deutschlands, welche der Chirurgie der Neuzeit die Grund-lage gegeben haben. Er verband mit allen Eigenschaften eines guten Operateursund Therapeuten eine grosse Gelehrsamkeit und bewunderungswürdige Kenntnissder älteren und neueren Literatur, in Folge eines mit unendlichem Fleisse betriebenenStudiums derselben.

J. J. Sachs, Med. Almanach f. d. J. 1841, pag. 137. E. Gurlt in Allgem.Deutsche Biojr. XIII, pag. 654. Callisen, IX, pag. 383; XXIX, pag. 127. Gurlt.

Jaenisch, Gottfried Jakob J., zu Hamburg, war daselbst als Sohndes gleichnamigen geschätzten Arztes am 17. October 1751 geboren, studirte von1772 an in Göttingen, wo er 1775 mit derDiss. inaug. med. sistens phthiseosex ulcere curationes antiquas" Doctor wurde. Unter den Augen seines Vatersunterzog er sich darauf der Praxis, übernahm 1779 mit noch 6 anderen Collegenunentgeltlich die ärztliche Besorgung der kranken Hausarmen und bearbeitete inGemeinschaft mit Jenen eineP/iarmacopoea pauperum, in Uttum imtituti cliniciHamburgensis, edita a societnte medica" (Hamburg 1781; 2. Aufl. 1785). 1798wurde er als Arzt des Heil. Geist-Hospitals angestellt und verwaltete dieses Amtmit redlichem Eifer bis zu seinem am 18. November 1830 erfolgten Tode, nachdemer unter zahlreichen Ehrenbezeugungen 1825 sein 50jähriges Doctor-Jubiläumbegangen hatte.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. 8, 1830, II, pag. 803. Callisen, XXIX,pag. 131. G.

Jaffe, Philipp J., zu Berlin, ausgezeichneter Geschichtsforscher, Meisterin mittelalterlicher Philologie, war am 17. Februar 1819 zu Schwersenz bei Posengeboren, widmete sich, auf Wunsch seines Vaters, von 1838 an dem Handels-stande, wendete sich nach einigen Jahren aber ganz dem Studium der Geschichteunter Ränke zu und trat, nach anderen historischen Arbeiten, 1851 mit seinemRiesenwerke:Regesta pontificum Romanorum ab condita ecclesia ad annum p.Chr. n. 1198" an's Licht; allein er sah sich, trotz des hohen wissenschaftlichenRanges, den er damit erlangte, da er aus confessionellen Rücksichten auf einhistorisches Lehramt nicht rechnen konnte, genöthigt, zur Erlangung seines Unter-haltes sich der Medicin zn widmen, die er theils in Berlin, theils in Wien studirte.Bei erstgenannter Universität erlangte er 1853 mit der Diss.:De arte medicasaeculi XII" die Doctorwürde. Er war dann von 185463 bei den MonumentaGermaniae beschäftigt, wurde 1862 als der erste Jude in Preussen zum Prof. e. o.der Geschichte an der Berliner Universität befördert und lieferte bis zu seinemam 3. April 1870 zu Wittenberg durch Selbstmord erfolgten Tode viele bedeu-tungsvolle historische, hier nicht näher anzuführende Arbeiten.

Deutsche Klinik. 1870, pag. 159. Alfred Dove in Allgem. Deutsch. Biogr.XIII, pag. 636. G.